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Florida Wildlife

Everglades Adventure

Januar 3, 2017

Die Stimmung im Auto ist zum ersten Mal auf unserem Roadtrip angespannt, denn meine Idee mitten in den Sümpfen zu schlafen stößt nicht nur auf Begeisterung. Schuld daran sind die erwarteten Mückenplagen und diverse Romane, in denen Menschen spurlos im Sumpf verschwinden. Wenn ich ehrlich bin macht Letzteres das Ganze für mich noch um einiges interessanter.

Hätte ich als 5-Jährige so etwas wie eine Bucket-List gehabt, dann hätte ein Besuch der Everglades definitiv ganz oben gestanden.  Warum?  Weil ich Disney-Film-Verrückte nichts lieber wollte, als mit dem komischen Boot durch die Sümpfe fahren, dass auch Madame Medusa - der Bösewicht aus „Bernhard und Bianca: Die Mäusepolizei“- besitzt. Damals waren es die Teufelssümpfe…heute sind es die Everglades und ich bin tatsächlich da. Wir haben Naples verlassen und fahren auf dem Highway 41 (besser bekannt als Tamiami Trail) Richtung Ochopee. Die Stimmung im Auto ist zum ersten Mal auf unserem Roadtrip angespannt, denn meine Idee mitten in den Sümpfen zu schlafen stößt nicht nur auf Begeisterung. Schuld daran sind die erwarteten Mückenplagen und diverse Romane, in den Menschen spurlos im Sumpf verschwinden. Wenn ich ehrlich bin macht letzteres das Ganze für mich noch um einiges interessanter. 😉

Am späten Nachmittag erreichen wir den Trail Lake Campground. Es ist ein Ort der mich sofort in seinen Bann zieht. Überall stehen alte Trailer, Grüppchen von Dauercampern hocken um Bier & Schnaps und bärtige Männer lachen laut über Dinge, die ich nicht hören kann. Es wirkt als wäre hier niemand außer uns Tourist und genau so werden wir angeguckt während wir über den gesamten Platz fahren. Ganz am Ende steht, direkt an der Grenze zu den Sümpfen, unser gebuchtes Chikee Chobee. Was ein bisschen klingt wie ein Gericht einer Fast-Food-Kette ist in Wirklichkeit eine indianische Pfahlhütte. Für uns stehen Handtücher, Taschenlampen und ein ziemlich starkes Mückenspray bereit, mit dem wir uns direkt großzügig einsprühen. Dann schlüpfe ich durch das Moskitonetz nach draußen. 

Wow. Dies ist einer der Momente, die man als Lieblingsmomente bezeichnen kann. Ich stehe auf der kleinen Terrasse und blicke in die raue Natur hinaus. Und ja. Es gibt hier verdammt noch mal Milliarden Mücken, die gerne an mir knabbern. Aber es ist mir egal. (Meinen Mitreisenden ist es nicht ganz so egal...aber auch sie müssen zugeben, dass dieser Ort einmalig und zauberhaft ist 😉) 

Die Nacht ist aufregend und der Morgen fantastisch. Wir werden von der Sonne und dem Surren der Mücken geweckt und freuen uns auf unsere heutige Expedition in die Glades. Tagesziele: Airbootfahren & Alligatoren suchen. Wer eine Airboottour machen möchte, der braucht eigentlich nur den Tamiami Trail entlang fahren, denn hier reiht sich Anbieter an Anbieter. Poppige Plakate werben mit modernen Booten, Alligator-Garantie oder sogar Sitzpolsterung. Eine Stunde bekommt man für knapp 60€, inklusive einem Guide, der aussieht wie ein Animateur an der Costa Brava. Bei so was bekomme ich Gänsehaut. Seit ich in Vietnam den Fehler gemacht habe, auf genau diese Art und Weise das Mekong Delta zu entdecken, habe ich quasi eine Allergie gegen Gruppenausflüge. 😉 Klar, es gibt sicher auch hier Ausnahmen, aber wenn es eine Möglichkeit gibt, dann versuche ich immer einen lokalen Guide zu finden. Für unsere Airboottour haben wir einen Trip bei Captain Steve gebucht, den wir über die Homepage unserer Campingplatzes zufällig gefunden haben. Seine Website ist zwar furchtbar…seine Videos aber der absolute Hammer! Und tatsächlich steht kurz nach neun ein Camouflage-gemusterter Pick-Up vor uns, auf dem Anhänger ein Airboot. Captain Steve begrüßt uns mit rauer Stimme und einem bärtigen Lächeln: „Jump in!“. Öh. Na klar. So richtig damit gerechnet, dass wir erst 45 Minuten durch die Gegend fahren müssen, haben wir nicht. Egal, denn der Captain erklärt uns, dass wir zu einer Stelle fahren, wo man keine anderen Airboots, dafür aber umso mehr Natur trifft. Was er damit meint, können wir während der Fahrt sehen: An den Bootsstiegen der Airboot-Touren-Anbieter stehen Menschenschlangen und Boot für Boot wird in die Glades geschickt. Da fahren wir doch lieber ein bisschen durch die schöne Gegend und lassen uns vom Captain ein paar Geschichten aus den Sümpfen erzählen. Die wohl Beste ist, dass er ein echter Gladesman ist, ein ehemaliger Parkranger. Er plaudert aus dem historischen Nähkästchen und die Zeit vergeht wie von selbst.

Als wir irgendwo im nirgendwo ankommen, ist der Himmel strahlend blau und wir aufgeregt wie Kinder vor der Bescherung. Routiniert fährt der Captain den Pick-Up ins Wasser, koppelt das Boot ab und lässt uns an Bord. Er erklärt uns alles nötige, reicht uns einen Gehörschutz und dann geht es auch schon los. Die ersten Minuten sind eine entspannte Bootsfahrt durch flaches Wasser, doch plötzlich quietschen wir auf: Das Boot biegt mitten in ein Seegrasfeld ein und wir denken es läuft auf Grund. Tut es aber nicht. Und der Ride beginnt. Wir fahren schneller, rasanter, um Kurven, auf Wasserwegen, neben Wasserwegen und plötzlich bleiben wir stehen. Der Captain zeigt auf einen Vogel in der Ferne und fängt begeistert an über ihn zu erzählen. Vögel gibt es hier sowieso wie Sand am Meer und Vogel-Enthusiasten kommen mit Sicherheit voll auf ihre Kosten. Ich finde Vögel eher langweilig, lasse mich aber von der Begeisterung unseres Guides anstecken und finde es plötzlich sogar interessant, warum welcher Vogel wie im Sumpf steht. Ein bisschen cooler finde ich aber die dutzenden Schildkröten, die vom Lärm unseres Bootes genervt, von ihren sonnigen Steinplätzen in den Sumpf plumpsen.

Es dauert nicht lange, da habe ich komplett die Orientierung verloren. Alles sieht gleich aus. Sumpf. Einzelne Oasen. Wasser. Und wie versprochen kein anderer Mensch weit und breit. Wir machen einen kurzen Stopp und Steve verteilt eisgekühlte Softdrinks. Während wir gemütlich an den Dosen nippeln und einige Vögel an uns vorbei ziehen stellt er die Frage, auf die Tim & Stefan schon die ganze Zeit gewartet haben. Ob wir auch mal fahren wollen. Ich winke schnell ab…denn ehrlich gesagt bin ich schon eine schlechte Autofahrerin und auf der Straße laufen keine Alligatoren hin und her um mich zu fressen. Die Jungs aber sind hellauf begeistert und schon geht’s los. Als erstes zeigt Tim sein Können als Airboot-Pilot und steuert die Kiste, als habe er nie etwas anderes gemacht. Später wird er sagen, dass er seinen Job an den Nagel hängt und jetzt Airboot-Fahrer wird. Sandra und Stefan hingegen erleben während Tims Glücksmoment einen echten Ron-Wesley-Moment. Als das Airboot mitten ins Gras steuert fliegen hunderte Mini-Spinnen ins Boot, bzw. der ersten Reihe mitten ins Gesicht. Panisch wird mit Händen gewirbelt um die Kriechtierflut abzuklopfen. Die Mission war erfolgreich…als Stefan an der Reihe ist, fährt er trotzdem wesentlich langsamer um seiner Liebsten einen zweiten Schreckmoment zu ersparen.

Nach drei Stunden sind wir zurück und vollkommen fröhlich. Die rasante Fahrt gepaart mit ein paar tollen Ein-& Ausblicken war genau das, was wir uns gewünscht hatten. Das wir nur einen Alligator gesehen haben, der auch noch direkt vor uns in den tiefen Sümpfen verschwunden ist, finden wir zwar kurz schade…aber hey, das ist die Natur und kein Zoo. Auf dem Rückweg halten wir plötzlich mitten an der Straße an. „You would like to see some more Alligators?“ Na klaroooo! Wir halten am Big Cypress Oasis Visitor Center und werden von einem duzend Alligatoren erwartet. Kurz frage ich mich, ob die wohl alle hier sind, weil hier täglich fütterunsgwillige Touristen auflaufen. Als könnte er meine Gedanken lesen erklärt unser Captain warum sie wirklich hier sind: Sie sind neugierig. Sie finden es spannend Bewegungen zu beobachten und mögen das rege Treiben auf dem Besuchersteg. Na super, ich habe dann wohl das Alligator-Gen…ich bin doch auch neugierig und beobachte gerne Menschen 😉 Wir schlendern ein bisschen umher, lesen Infotafeln, bestaunen faule Alligatoren und plumpsen zwanzig Minuten später ein letztes Mal in den Pick-Up, der uns zu unserem dagegen langweiligem Mietwagen zurück fährt. Zum Abschied erklärt uns Captain Steve, dass wir jetzt "Friends" sind und wir das nächste Mal einfach nur anrufen müssen...dann zeigt er uns noch mehr - natürlich kostenlos, als Freund.

 

Wieder auf uns gestellt suchen wir als erstes eine Tankstelle, ärgern uns über die unverschämten Preise & decken uns mit Marschverpflegung ein. Unser letzter Stopp ist das Ochopee Postoffice, das kleinste Postamt der USA. Und ja, es ist wirklich klein. Während meine Mitreisenden fröhlich Bagels&Salat von der Tankstelle mampfen, hüpfe ich aus dem Auto, lese die Infotafel, drücke meine Nase an das Fensterglas, staune über die effiziente Inneneinrichtung und knipse ein Bild von einer amerikanischen Reisegruppe. Zurück im Auto schnappe auch ich mir meinen Tankstellen-Salat und genieße den Ausblick in die Glades, der für die nächsten zwei Stunden immer der Gleiche ist. Aber es könnte ja doch ein Panther auftauchen! Oder ein Alligator! Oder ein Waschbär…oder, oder, oder….

Über die Everglades

Die Everglades liegen im Südwesten des US-Bundesstaates Florida und sind teilweise als Everglades-Nationalpark und UNESCO-Welterbe geschützt. Ein Highlight für Fans einer besonderen Fauna & Flora, ein NO-GO für Mückenhasser. Von Westen erreicht man Ochopee und Everglades-City am besten von Naples über den Highway 41. Wer nur einen Tagesausflug plant, kann über zahlreiche Tourenanbieter sowohl von Naples, als auch den Großraum Miami starten. (Touren ab 30$ p.P.) Preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten in den westlichen Everglades gibt es vor allem in Privatunterkünften, die sich super über airbnb buchen lassen. Tipp für Hotelfreunde: Lieber in Naples übernachten, da das Preis/Leistungsverhältnis in den wenigen Hotels in Everglades-City nicht angemessen ist.

Unsere Unterkunft: Trail Lake Campground ( ab 40$ p.P. ) 

Unsere Tour: Captain Steve ( 4 Stunden Privattour ca. 500$ für bis zu 5 Personen) Wer etwas mehr Zeit hat und in der Regenzeit vor Ort ist, der sollte sich überlegen, ob man Captain Steve nicht für den ganzen Tag bucht und zusätzlich eine Swamp Buggy Tour durch den Sumpf macht. Hierbei kann man noch viel mehr Natur entdecken.

Unser Restaurant-Tipp: Oyster House (Unbedingt Fisch & Bier nehmen und auf die Käsesticks & Wein verzichten ^) 

Lektüretipps für´s Everglades Gruselfeeling

Wer wie ich ein Fan guten Thrillern ist & für die Nacht in den Sümpfen noch die richtige Lektüre sucht, für den gibt's hier meine ganz persönlichen Bücher & Film Tipps für eine perfekte Einstimmung.

  • Reply
    Andy
    Februar 3, 2016 at 9:31 pm

    Toller Bericht! Das ist ja mal Florida – ganz anders! So nah kommt man als Touri ja meist nicht ran ans wirkliche Leben. Ich kann mir gut vorstellen das die Einheimischen gerade in so Regionen wie den Everglades wirklich „unique“ sind. Wenn ich darf würde ich in meinem Blogbeitrag über die Everglades gerne auf Deinen Artikel verlinken, wenn ich darf.
    Viele Grüße,
    Andy

  • Reply
    litschi
    Februar 4, 2016 at 7:37 am

    Huhu Andy 🙂 Danke für deinen lieben Kommentar! Klar, du darfst gerne einen Link setzten…

    Viele Grüße,
    Sarah

  • Reply
    10 Bücher, die ihr mit in die Everglades nehmen solltet – Litschiorakel
    Januar 10, 2018 at 3:17 pm

    […] ein – ich verspreche euch das ist mystisch mystisch! Wie genau das aussehen könnte, könnt ihr hier nachlesen. Und falls ihr euch vorab in die richtige Stimmung bringen möchtet, dann stöbert doch […]

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