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Ein Backpacker auf hoher See: MSC Armonia – Litschiorakel
Ein Backpacker auf hoher See Europa

Ein Backpacker auf hoher See: MSC Armonia

Januar 4, 2016

RĂŒckblick 2013: Kreuzfahrten? Alleine wenn ich daran dachte, lief mir ein Schauer ĂŒber den Nacken. Viel zu viele Leute, zu wenig Platz, zu viel Essen, viel zu teuer und unfassbar wenig Selbstbestimmung. Ich mochte meinen Backback und lockere Kleidung und gehörte schon damals so gar nicht zu den Menschen, die man sich an Bord eines Megaliners vorstellt.

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Tja. Wie das Schicksal spielt fing ich im September 2013 einen neuen Job in einem ReisebĂŒro an. Einem Spezialisten fĂŒr Kreuzfahrten. Und ich mitten drin. ZustĂ€ndig fĂŒr das Online-Marketing. Von Marketing verstand ich etwas, von Reisen auch – aber von Kreuzfahrten? Nope. Deswegen durfte ich auch direkt nach sechs Wochen an Bord eines Schiffes gehen um mir das Ganze einmal anzuschauen. Gemeinsam mit meiner Kollegin Kristin reiste ich nach Venedig um dort an Bord der MSC Armonia zu gehen und ĂŒber das Mittelmeer nach Teneriffa zu reisen.

Mitgebracht habe ich einen augenzwinkernden Bericht ĂŒber die TĂŒcken der ersten Kreuzfahrt und beschĂ€menderweise die beste Erholung, die ich ja auf Reisen erleben durfte


 

Tag1 : Eingeschifft und Abgefahren

Nachdem wir unseren Flieger in DĂŒsseldorf fast verpasst haben (verquatscht ^^) landen wir am Vormittag in Venedig und haben einen ganzen Tag Zeit diese wunderschöne Stadt zu entdecken. Erst am Nachmittag beginnt unser Abenteuer Kreuzfahrt…

Der Empfang am Hafen von Venedig ist mehr oder weniger merkwĂŒrdig. FĂŒnf gelangweilte Mitarbeiter checken muffelig unsere Reiseunterlagen und winken uns unmotiviert zur GepĂ€ckabgabe durch. Das wir gar keine GepĂ€ckanhĂ€nger haben, fĂ€llt Ihnen aber nicht auf. Daher dackeln wir wenige Minuten spĂ€ter zurĂŒck und fragen danach. Mit einem genervten Blick bedacht drĂŒckt uns eine junge Frau ein paar GepĂ€ckanhĂ€nger in die Hand und widmet sich dann wieder dem in die Luft gucken. Dann geben wir unser GepĂ€ck in die HĂ€nde eines MittfĂŒnfzigers, der dieses mit Schwung und ohne Worte in die Lagerhalle wirft. Ok. Dankeschön. Wir gehen dann mal einchecken.

FĂŒr Kreuzfahrtneulinge wie uns ist der Weg zum Check In verwirrend. Lauter Schilder, glotzende aber schweigende Mitarbeiter und vor allem: Keine angenehme AtmosphĂ€re. Nachdem wir endlich den richtigen Check In Schalter gefunden haben, werden wir von einer italienischen Dame gemustert. „Sarah. Photo.“ Oh. Das wars schon. Mit einer ruckartigen Handbewegung hatte ich eine Webcam im Gesicht. Hm. Freundlich ist anders. Nachdem auch meine Kollegin mit einem Foto verewigt wurde, schob uns die Mitarbeiterin zwei Karten ĂŒber den Tresen. Ohne ErklĂ€rung. Mit versteinertem Gesicht und nach unten gezogenen Mundwinkeln gab sie uns nur noch eins mit auf den Weg: „Have a nice Cruise.“ Äh. Ok. Versuchen wir zu haben.

Erste Schritte an Bord oder „Wo ist der Safe?“

Jetzt geht’s los. Wir latschen fröhlich ĂŒber den langen Gang aufs Schiff. Hier ist der Empfang schon freundlicher. Nette Asiaten begrĂŒĂŸen uns und erklĂ€ren uns den Weg in unsere Kabine. Nett, finden wir, aber das hĂ€tten wir doch auch so geschafft. Von wegen! Es zeigte sich ziemlich schnell, dass wir eben nichts einfach so finden sollten


Vor unserer Kabine lauert schon unser Kabinenservice und grinst uns schlitzĂ€ugig an. Er sei fĂŒr unsere Kabine da und wĂŒrde immer bereit sein. Was wir erst fĂŒr eine nette Formulierung hielten, stellte sich schnell als Tatsache heraus. Unsere Kabine ist recht klein aber sauber und schön. Der Blick auf den Hafen von Venedig ist toll und das Bad grĂ¶ĂŸer als gedacht. Erst spĂ€ter stellt sich heraus, dass es mit einem sehr kuschelbedĂŒrftigen Duschvorhang ausgestattet ist, der sich immer – aber auch wirklich immer – an die Beine des Duschenden klammert.

Nachdem wir ausgepackt und frischgemacht das Tagesprogramm studieren, fĂ€llt uns auf, dass wir die Infoveranstaltung um 15 Uhr bereits verpasst haben. Hmm. Schade. Vielleicht hĂ€tte man uns dort verraten, wo sich unser Safe versteckt, den wir so verzweifelt suchen. Aber gut. Nachdem wir bereits mit dem Kopf unter dem Bett und der Hand unter der BadezimmerspĂŒle gesteckt haben und sogar die Minibar nach einem Safe abgesucht haben, geben wir auf. Es ist ja auch schon spĂ€t.

Der kompetente Reiseleiter

Erster Programmpunkt des Tages: BegrĂŒĂŸung der Expedienten und Vorstellung unserer – nennen wir es – Reiseleitung. Los geht’s um 19 Uhr. Durchgeschwitzt und verwirrt kommen wir um 19:05 Uhr in der Borddisko an, nachdem wir unfreiwilliger Weise einen Schiffsrundgang eingelegt haben. Schnell stellen wir fest: Wir sind nicht die Letzten. Punkt 19:15 Uhr erhebt dann ein schlaksiger junger Mann das Wort. „Willkommen auf der Armonia, geht’s euch gut? Ach ich Duze euch jetzt einfach. Das ist praktischer.“ Ein Raunen geht durch die Reihen.

Nach nur zehn Minuten ist die BegrĂŒĂŸung vorbei. Was wir aber erfahren: Der Safe versteckt sich im Spiegel. Aha. Da können wir lange suchen. Das tollste an der ganzen Veranstaltung ist, dass wir Heiko und Peter kennen lernen, die uns ab jetzt tĂ€glich mit ihrer angenehmen Gesellschaft beglĂŒcken.

Das Problem mit den GĂ€ngen

PĂŒnktlich um 20:30 Uhr sitzen wir an einem runden Tisch im La Pergola Restaurant und werden von unserem idonesischen Kellner freundlich mit Brot und Speisekarte bedacht. An unserem Tisch finden sich zwei PĂ€rchen ein und wir plaudern fröhlich drauf los.

Die Speisekarte ĂŒberfordert uns. Eine große Auswahl an Speisen und die Frage: Wie viele bestellen wir uns? beschĂ€ftigt uns eine gewisse Zeit. Wir entscheiden uns fĂŒr Vorspeise-Hauptspeise-Nachspeise. Und werden von Miniportionen ĂŒberrascht. Unser Kellner sieht uns den Hunger nach dem Hauptgang förmlich an und bringt uns leicht belustigt aber ohne Nachfrage einfach noch mal die Karte und fragt, ob wir noch eine Portion möchten. Die MĂ€nner am Tisch schlagen zu und bestellen sich ab dem nĂ€chsten Tag einfach gleich mehrere HauptgĂ€nge.

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Tag 2: Ancona

Wo geht’s denn hier von Bord?

Der erste Morgen ist in aller erster Linie eins: Spannend. Neugierig hĂ€ngen wir nach dem Aufwachen an unserem Kabinenfenster und glotzen bedĂ€chtig aufs Meer. Sieht schön aus. Vor uns liegt die Kulisse von Ancona und tatsĂ€chlich sind wir neben ein paar FĂ€hren das einzige Schiff, was hier anlegt. Schnell machen wir uns fertig um noch kurz einen Blick aufs Buffet zu werfen, bevor wir das Schiff verlassen. (Insgeheim finde ich Kreuzfahren das erste Mal gar nicht sooo schlecht….morgens an einem völlig neuen Ort aufwachen ist schon cool *schĂ€m*)

Als wir unserer KabinentĂŒr öffnen steht dort schon unser indonesischer Zimmermann und grinst uns breit an „Goood Moooorning“. Kurz fragen wir uns, ob er dort wohl schon die ganze Nacht darauf wartet, dass wir heraus kommen
dieses GefĂŒhl wird uns auch in den nĂ€chsten Tagen nicht verlassen.

Jetzt haben wir Hunger. Und Lust auf Kaffee. Aber der Weg zum Buffet ist harte Arbeit und fĂŒhrt uns quer durchs Schiff. Nach weiteren FĂŒnfzehnminuten stehen wir im La Brasserie Restaurant: Gekochte Eier, Spiegeleier, gerĂŒhrte Eier, Bohnen, Speck, BratwĂŒrstchen, frittierter Fisch, Pancakes, Waffeln mit Sirup, Marmorkuchen, Ananaskuchen, KĂ€setorte, Schokoladen Muffin, Schokocroissant, BratĂ€pfeln und weiteren Leckereien – oder besser: Freunde und Helfer des Myokardinfarkts. Aber gut. Der Bordarzt sitzt schließlich nicht umsonst zwei Decks tiefer. Wie praktisch. Vom Buffet ins Krankenzimmer zu kugeln klingt zwar wenig verlockend, aber irgendwie furchtbar praktisch.

Fröhlich haben wir die Obstdecke entdeckt und greifen zu. Mit einem Tablett balancieren wir unser FrĂŒhstĂŒck auf Deck und suchen uns einen Platz mit großartigem Blick auf die Altstadt von Ancona. Das Wetter ist toll. 23 Grad laden zum T-Shirt tragen ein. Und um uns herum beginnt das große Fressen. DickbĂ€uchige Senioren haben TĂŒrme aus fettreichen Speisen gebaut und schieben sich einen Kohlenhydratlappen nach dem anderen in ihren Mund. Junge Leute um sie herum bestellen sich die ersten Cocktails des Tages. NatĂŒrlich mit Schirmchen und AnanasstĂŒckchen. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie sehen entspannt und glĂŒcklich aus. Wir ĂŒbrigens auch. 🙂

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Die morgendlichen Wölkchen verziehen sich und wir uns auch. Jetzt geht’s von Bord. Wenn wir denn den Ausgang finden. Wir irren mal wieder ĂŒbers Schiff und landen schließlich tatsĂ€chlich am Ausgang. Wir tippeln ĂŒber die Treppe von Bord und freuen uns ĂŒber die GratisstadtplĂ€ne am Hafen. Aufklappen. Draufgucken. GrĂŒn suchen. Und dann laufen wir los.

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Im Gegensatz zu den anderen BordgĂ€sten halten wir uns links und schlendern am Hafen entlang. Wir wollen zu dem schönen GebĂ€ude auf dem Berg. Ja. Wir wissen wirklich nicht wie es heißt. Und offensichtlich auch nicht wo es langgeht, denn wir landen in einer Sackgasse. Hmm. Ok. Dann nochmal zurĂŒck. Da bemerken wir sie. Ganz vorsichtig mit Sicherheitsabstand verfolgt uns ein Ă€lteres Ehepaar. Nicht ganz dezent zeigen sie mit dem Finger auf uns und scheinen sichtlich verwirrt zu sein. Zusammenfassung der nĂ€chsten halben Stunde:

Weg gefunden. Alte HĂ€user bestaunt. Hangneigung beklagt. Fotos gemacht. Senioren beobachtet. Fotos von Senioren gemacht. Schiff von oben gesehen. Oh. Ah. Fotos vom Schiff gemacht. Wieder ĂŒber die Handneigung geĂ€rgert und ĂŒber das unpassende Schuhwerk. (Was sechzig Minuten spĂ€ter in meiner Hand baumelt)

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Oben angekommen wissen wir nun endlich wie unser Ziel heißt: Duomo di Ancona. Der Dom von Ancona. Ok.Das hĂ€tten wir uns auch denken können. Es ist schön hier. Im Inneren gibt es viel zu entdecken. Und von außen ist er wirklich ein imposantes GebĂ€ude. Nachdem wir wieder heraus kommen, hat auch die Verfolgungsjagd ein Ende, denn das PĂ€rchen bleibt in der Kirche zurĂŒck und freut sich ĂŒber die unbequemen HolzbĂ€nke im Inneren.

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Jetzt zieht es uns ins GrĂŒn. Wir laufen in Richtung des grĂŒnen Flecks auf unserer Karte (Parco del Cardeto) und finden uns in einer Oase wieder. Hier ist wirklich niemand. Dass gerade ĂŒber 1000 SchiffsgĂ€ste durch die Stadt bummeln, davon bekommt man hier nichts mit. Einheimische pflĂŒcken Oliven und Schmetterlinge flattern kitschig ĂŒber ihren Köpfen hin und her. Hinter ihnen entdecken wir den Ausblick aufs Meer und sind begeistert. Kleine Segelbötchen liegen hier auf ruhiger See und vor uns liegt eine steile Klippe. Und ein Zaun, der das perfekte Foto verhindert. Wir drehen uns um. Ich schwinge mich ĂŒber den Zaun. (Nicht ganz elegant. Eher unbeholfen und Ă€h.. merkwĂŒrdig verrenkt) Und dann schließe ich das perfekte Foto. Um spĂ€ter festzustellen: Es ist verwackelt. Naja. Immerhin gibts ein Bild mit meinen FĂŒĂŸen und ein paar Beeren in Kreuzfahrt-Blau 😉

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Natur

Wir bleiben noch einige Zeit im GrĂŒnen und finden: Das hier ist ein echter Geheimtipp abseits der typischen StadtfĂŒhrungen.

Auf dem Weg nach unten ziehe ich endlich meine Schuhe aus unnd barfuß geht’s den Berg hinunter. Zehn Minuten und zahlreiche „Aua es piekst!“ spĂ€ter kommen wir im Touristengewusel an. So haben wir uns das vorgestellt. Zahlreiche Schiffsbesucher drĂ€ngen sich durch die Gassen und grapschen auf den MarkstĂ€nden nach SchnĂ€ppchen, die gar keine sind. Aber auch die Crew entdecken wir. Duzende Asiaten tummeln sich in den kleinen Kaffees und tippen wie verrĂŒckt auf ihren Handys herum. Wir ahnen warum: Hier gibt’s gratis Internet. Gar kein schlechter Tipp, schließlich kostet der Spaß an Bord einkleines Vermögen!

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Wir finden noch eine kleine Markthalle und beobachten die FischverkĂ€ufer von oben. Fisch nehmen. Kopf abhaken. Waschen. Verpacken. LĂ€cheln. Und mit großen Gesten das Geld in die Kasse stecken. Irgendwie typisch italienisch. D anderen Touristen bleiben draußen. Vielleicht wegen dem Geruch. Oder dem fehlenden Internet.

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Als der Kamera Akku leer es, entschließen wir uns zurĂŒck an Bord zu gehen. Eine Minischlange hat sich gebildet und wir sind zĂŒgig wieder an Bord. Was fĂŒr ein angenehmer Morgen. Jetzt haben wir Hunger. Und sind nicht die Einzigen. Wieder wackeln wir ins Buffetrestaurant und blicken nun auf die Mittagsauswahl. Eine Vielzahl an lauwarmen und leicht gewĂŒrzten Speisen lĂ€chelt uns an. Wir essen Salat. Der ist lecker.

Um uns herum scheinen die gleichen Leute zu sitzen, wie am Morgen. Wir fragen uns, ob sie wohl schon wieder oder immer noch dort sind. Und entscheiden uns dafĂŒr, dass es uns total egal ist.

Dann entdecken wir die Nachspeisentheke und können uns nicht entscheiden. Liebevoll dekorierte Törtchen, bunte Desserts und freundliche Servicemitarbeiter versĂŒĂŸen uns das Mittagsessen. Und ich beschließe zukĂŒnftig nur noch die Nachspeise zu essen. Oder zwei. Oder drei.

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Sport an Bord ist Mord.

Dass denken scheinbar die meisten GĂ€ste, denn als wir uns nach dem Mittagessen auf ins Fitnessstudio machen, sind wir fast die einzigen. Motiviert schwingen wir uns aufs Laufband und staunen ĂŒber den Blick aufs Meer. Die AtmosphĂ€re ist angenehm. Nette Musik lĂ€uft im Hintergrund, die GerĂ€te wirken neu und lassen sich leicht bedienen. Frische HandtĂŒcher liegen hier fĂŒr die GĂ€ste bereit und warten liebevoll zusammengerollt im Regal. Direkt daneben gibt es einen Wasserhahn. Hier fĂŒllen sich die Sportfreunde ihre Flaschen auf. Nirgends schwitzt ein Muskelprotz die GerĂ€te voll, nirgends stöhnt jemand unter Hantelmassen. Auch nicht in den nĂ€chsten Tagen. Darum wird das Fitnessstudio zu einem unserer Lieblingsorte. Und nein. Das liegt nicht an den Sahnedesserts. Ok. Vielleicht ein bisschen.

Um sechzehn Uhr steht unser erster Termin an: Die Schiffsbesichtigung. Wir sind gespannt. Was man auf so einem Schiff wohl entdecken kann? Vor allem an den Bereichen abseits des Bordgetummels sind wir interessiert. Ausgestattet mit Fotoapparat und Notizblock warten wir. 16:10 Uhr warten wir noch immer. Dann steigt uns so langsam ein rauchiger Geruch in die Nase. Wir gucken uns um und diskutieren, woher der wohl kommen mag. Ob es brennt? Um uns herum haben sich so langsam einige Expedienten und ihre Begleitungen eingefunden. Sichtlich gestresst von diesem engen Terminkalender. Dann erscheint unser kompetenter Reiseleiter und flĂŒstert unmotiviert in die Runde. Wir verstehen nicht viel, nur dass es jetzt wohl losgeht. Ein Ă€lterer Herr mit italienischem Akzent und gutem Deutsch geht voran. Wer er ist? Keine Ahnung.

In den nĂ€chsten dreißig Minuten werden wir durch die öffentlichen Bereiche des Schiffs geschleust. Ein bisschen wie im Zoo glotzen wir in den Fitnessraum und durch die Bullaugenfenster in den Kinderclub. Ein Haufen kleiner – und auch etwas grĂ¶ĂŸerer – Racker turnen durch bunte SpielgerĂ€te oder sitzen malenderweise an kleinen Tischen. Da möchte man mitmachen. Das Plakat am Eingang zeigt. Hier kann man sein Kind fast den ganzen Tag abgeben. Von morgens bis abends. Wie praktisch.

Es geht weiter durch diverse Bars und Restaurants. Dann riechen wir es wieder: Qualm und Rauch. Was neu ist: Jetzt sehen wir es auch! Mit schnellem Schritt trotten wir in den schiffseigenen Raucherclub. Praktisch: Es gibt keine TĂŒren. So kann man ihn kaum verfehlen und wird schon an der Rezeption vom himmlischen Nikotingeruch auf die richtige FĂ€hrte gefĂŒhrt. Verwirrt von diesem Geruchserlebnis bekommen wir gar nicht mit, dass die FĂŒhrung vorbei ist. Reiseleiter weg. FĂŒhrer weg. Wir sind enttĂ€uscht. Und trotten in unserer Kabine, wo wir ein frisch gemachtes Bett vorfinden. Neue HandtĂŒcher und die Handschrift eines aufmerksamen Kabinenstewards.

Gegen 19 Uhr gehen wir ins Theater. GemĂŒtlich bestellen wir uns einen Cocktail, der uns zwanzig Minuten spĂ€ter in vollkommener Dunkelheit serviert wird. Mit Schirmchen natĂŒrlich. Die Show beginnt. FĂŒnf halbnackte, hĂŒbsch anzusehende MĂ€dchen tĂ€nzeln auf die BĂŒhne und hĂŒpfen taktvoll im Kreis. HĂŒbsch sieht es aus. Die MĂ€nner freuen sich. Es folgen eine SĂ€ngerin mit Überbiss, ein stripperĂ€hnliches MĂ€nnerpĂ€rchen, das GegenstĂ€nde durch die Luft wirbelt und eine kleine Asiatin, die sich selbst in eine Handtasche verpacken kann. (Was sie leider nicht getan hat. Das hĂ€tten wir witzig gefunden) Zwischendurch tanzen wieder die 40 Kilo MĂ€dchen, springen um eine riesen Torte herum und grinsen, als wĂ€ren ihre Mundwinkel fest getackert. Nach 45 Minuten ist die Show vorbei und wir mĂŒssen sagen: Das hat uns gut gefallen. HĂ€tte es aber auch, wenn etwas mehr Stoff im Spiel gewesen wĂ€re.

Tag 3: An Bord

Unseren ersten Seetag verbringen wir mit von Bar-zu-Bar schlendern, Cola-Light trinken und Sonne tanken. Und einem Bummel durch die Duty-Free-Shops. Es reiht sich Luxuslabel neben Luxuslabel, Uhren neben Schmuck, Parfum neben Maxipackungen Toblerone. In fĂŒnf Sprachen verkĂŒndet uns der Schiffslautsprecher das Motto des Tages: GALA. Praktischerweise könne man in den Shops zuschlagen und sich so richtig herausputzen. Und vielleicht noch schnell beim Frisör vorbei schauen? Spannend ist, dass die meisten Passagiere genau das tun: Flanieren und sich fĂŒr den Abend zurechtmachen.

Gegen 18 Uhr gucken wir noch einmal im Fitnessstudio vorbei. Eine halbe Stunde spĂ€ter treffen wir –mit gammeliger Jogginghose und durchschwitztem Tanktop- im Treppenhaus auf eine beachtliche Anzahl an galatauglichen Passagieren. Hier wurde wirklich alles aufgefahren. Oder hochgedrĂŒckt. Je nach dem.

Wir huschen schnell in die Kabine zurĂŒck: Wir wollen nĂ€mlich mitspielen. 20 Minuten spĂ€ter stecken auch wir in netten Cocktailkleidern und schlendern mit eben diesen ins Theater. Gemeinsam mit einem Expedienten PĂ€rchen, die wir beim Abendessen kennenglernt haben staunen wir ĂŒber die schicken Senioren, die sich um uns herum niederlassen. Irgendwie ist das schön. Sie haben sichtlich Spaß daran sich so zu prĂ€sentieren. In ihren Augen funkelt kindliche Fröhlichkeit und eine Unbeschwertheit wie an Karneval. Aber wie auch dort, wollen wohl nicht alle mitspielen. Einige jĂŒngere Leute in Jeanshosen quetschen sich in die Reihen, gefolgt von einem Mann in kariertem Hemd. Die Karnevalisten um sie herum mustern sie kritisch und schĂŒtteln ihre frisierten Köpfe. Dann beginnt die Show.

Wieder hĂŒpft nacktes Fleisch. Es singt ein Pferdegebiss. Jemand verbiegt sich. Und – oh was Neues – jemand wird durchgeschnitten. Und natĂŒrlich auch unter Trommelwirbel wieder zusammengebastelt. Puh. Alles gut gegangen. Der Vorhang fĂ€llt und lautstark werden wir zum folgenden BINGO eingeladen.

Es fĂ€llt uns nicht schwer, diesem zu wiederstehen. Lieber nuckeln wir an einem weiteren Cocktail und schlendern dann ins Restaurant. Auf dem Weg werden wir angehalten. Man möchte ein Foto machen. Ok. Dann mal los. Wir lĂ€cheln. Posieren. Und haben irgendwie schon wieder Spaß.

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Die folgenden zwei Stunden sind die wohl prĂ€gendsten der gesamten Reise. Nach dem Essen – lecker, heiß und freundlich serviert – haben wir uns dazu entschlossen die Armonia Lounge zu besuchen. Hier findet jeden Abend eine animative Aktion statt. Wir wollen dabei sein und lĂŒmmeln uns in die bequemen Lounge Sofas. Eine kleine braunhaarige SĂ€ngerin trĂ€llert „Yellow River“ der britischen Band Christie. Das tut sie – wie wir noch feststellen werden – jeden Abend. Dann bricht sie ab, legt das Mirko zur Seite und weicht einem Medley an Bord ClubtĂ€nzen. Nossa. Nossa. Und so. Ein Haufen an glitzernden Abendkleidern wackelt fröhlich zu den munteren Poprythmen und wird dabei von der schiffseignen Animationscrew angefeuert. Eins lernen wir hier: Geklatscht wird immer! Im Rhythmus. Gegen den Rhythmus. Immer.

Nach fĂŒnf Liedern verlĂ€sst der Glitzerhaufen die TanzflĂ€che und ein gegelter Italiener mit Anzug und außerordentlichem Sprechtempo nimmt seinen Platz ein. Jetzt geht’s los.

Gesucht wird das PĂ€rchen des Abends. FĂŒnf Ă€ltere PĂ€rchen finden sich mehr oder wenig freiwillig auf der BĂŒhne ein und treten in kleineren WettkĂ€mpfen gegeneinander an. Das Ganze ist lustig anzuschauen. Es wird getanzt. Geraten. Und gebellt. Moment. Es wird gebellt?

Erstaunt blicken wir auf das, was da gerade vor unseren Augen passiert. Ein Mann Mitte sechzig steht bellend mitten im Raum. Seine Frau kniet vor ihm und bellt zurĂŒck. Fast jaulend. Dann wirft er sich auf sie, reißt sie nieder und beide vereinen sich in einem Wuff-Kanon. Es folgt ein Miauendes PĂ€rchen. Ein grunzendes PĂ€rchen. Und zum Schluss: Das Affenpaar. Am Ende des Abends gewinnt das HundepĂ€rchen und wir gehen sprachlos ins Bett.

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Tag 4: Tunis

Ein neuer Morgen. Ein neuer Kontinent. Wir sind in Afrika gelandet. Genauer gesagt in La Goulette. Nach einem entspannten Vormittag finden wir uns mit hunderten anderen Passagieren im Theater ein, denn wir wollen heute etwas ausprobieren: Einen organisierten Ausflug. Gemeinsam mit einer Masse anderer GÀsten stehen wir in einer undurchsichtigen Menschenwurst vor dem Ausflugs Check-In.

Wenig spĂ€ter haben wir uns an einen der drei Tische vorgekĂ€mpft und werden hier nur kurz nach unserem Ausweis gefragt. Dann drĂŒckt man uns ein gelbes Ticket und einen plakativen Aufkleber mit der Nummer 5 in die Hand. (Nein, wir kleben ihn nicht auf die Brust…aber ja, alle anderen tun das! 😉 ) Um uns herum tummeln sich Einsen, Zweien, Dreien, Vieren
.es geht bis elf. Wir suchen uns schnell einen Platz und sind gespannt, was uns erwartete. Vor der BĂŒhne huschen emsig MSC Mitarbeiter hin und her, in ihren HĂ€nden Schilder mit unseren Nummern. Dann passiert erstmal gar nichts.

Erst zwanzig Minuten spĂ€ter hopsen die Reiseleiter an uns vorbei und die Zahlen werden in fĂŒnf Sprachen ausgerufen. In dem ganzen Sprachsalat verpassen wir fast unsere Nummer und drĂŒcken uns in letzter Sekunde durch die Massen ins Freie. Beziehungsweise erst einmal auf Deck vier. Dann durch die immer piependen Sicherheitstore und dann in die tunesische Sonne.

Vor dem Schiff werden wir freudig von zwei gelangweilten Kamelen und einer afrikanischen Band begrĂŒĂŸt. Fleißig werden Fotos gemacht. Dann erklingt ein uns bekanntes Lied aus den uns unbekannten Instrumenten der Musiker. Just in dem Moment, in welchem wir an der Gruppe vorbei schlendern, stimmen sie die deutsche Nationalhymne an. Begleitet von heimatlichen KlĂ€ngen suchen wir nun unseren Bus und werden schnell fĂŒndig. Los geht’s.

Wir haben nun das VergnĂŒgen mit einem quicklebendigen Afrikaner mit lĂŒckenhaften Deutschkenntnissen und einem sehr lauten Organ. Durch das Mikro brĂŒllt er uns die heutige Route vor, gespickt von Witzen, welche die Frau neben mir zum Grunzen bringt.

Der Bus wackelt ĂŒber die Straßen, wir fahren nach Karthago. Oder eher gesagt einem winzigen Teil von Karthago, der uns heute als das Ganze prĂ€sentiert wird. Angekommen fĂŒhrt uns der Guide durch die Ruinen, ich schleiche auf anderen Wegen hinterher und muss sagen: Hier gefĂ€llt es mir. Karthago ist schön. Oder war schön. Jetzt sind die Ruinen schön.

Nach ca. 40 Minuten dackeln alle zurĂŒck in den Bus, einige Fotos und MosaikschĂŒsseln reicher. Jetzt geht’s nach Tunis. Wir fahren vorbei an armen Siedlungen, toten Tieren und viel Staub.

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Angekommen in der Medina kommen wir uns fehl am Platz vor. Unter den Einheimischen sehen wir aus wie ein Rudel europĂ€ischer Fremdkörper und werden definitiv auch so angestarrt. Na gut…wir starren ja auch. Bald haben wir unser Ziel erreicht: Ein traditionelles TeppichgeschĂ€ft. Doch bevor wir zur obligatorischen TeppichvorfĂŒhrung gebeten werden, dĂŒrfen wir aufs Dach und haben von dort einen großartigen Ausblick auf ganz Tunis. Die Sonne scheint. Die Terrasse ist von Mosaiksteinchen in bunten Farben ĂŒberzogen. Und der Blick ist wirklich toll. Hier wĂ€ren wir ohne Ausflug wohl nie hingekommen.

Jetzt werden wir in einen Raum gebeten. Zwei alte MĂ€nner mit ledriger Haut falten dutzende Teppiche auseinander und kommentieren jeden mit Arbeitszeit und Preis. NatĂŒrlich alles SchnĂ€ppchen. 25 000 € SchnĂ€ppchen. Am Ende haben die Herren tatsĂ€chlich einen Teppich verkauft. Unser Reiseleiter reibt sich die HĂ€nde.

Jetzt bleibt Zeit im angeschlossenen Souvenirshop zu bummeln, TerrakottahĂŒhner zu bestaunen und zu handeln. Und schwupps ist die Gruppe weg. Leider nicht mit allen Gruppenmitgliedern. Jetzt wird wild gesucht, telefoniert und die letzte halbe Stunde mit leichten Panikattacken verbracht. Am Ende ist alles gut. Alle sind da. Und die vier Stunden fĂŒhlen sich an wie eine Ewigkeit. Als wir wieder auf dem Schiff sind und den Hafen von La Goulette hinter uns lassen fĂŒhlt es sich an, als hĂ€tten wir nur kurz getrĂ€umt. Es war kein erholsamer Schlaf, aber gewiss auch kein Albtraum.

Als wir uns vom Festland entfernen, beginnt das Schiff zu schwanken. Erst nur ein bisschen. Wir finden das lustig. Dann etwas mehr. Morgen frĂŒh Ă€ndert sich das Wetter….verrĂ€t uns ein Crew-Mitglied. Es sollte nicht Recht behalten.

 

Tag 5: Es schwankt

GeschĂŒttelt nicht gerĂŒhrt

Der heutige Tag wird nicht unser bester werden. Als wir aufwachen, schwankt das Schiff noch immer. Wir könnten wetten, sogar noch mehr als am Abend.

Als wir auf den Gang kommen, torkeln uns schon jede Menge bleicher Gesichter entgegen. Wir torkeln mit gesunder Farbe mit. Heute schwankt einfach alles. Es schwankt der Boden, das Essen, die StĂŒhle, die GlĂ€ser, die Gedanken.

Wir bringen den Tag irgendwie hinter uns und ich wage mich sogar ins Fitnessstudio. Zu meiner Überraschung ist es sogar geöffnet. Weit und breit kein Trainer. Niemand der darauf achtet, dass hier nichts passiert. Nur ein anderer SportverrĂŒckter, der sich neben mir aufs Laufband traut. Mit aller Kraft klammern wir uns an das GerĂ€t. Und der Spaß beginnt. Die folgenden 40 Minuten sind eine Art Flugsimulator. Es geht rauf und runter. Rauf und runter. Der Mann neben mir gibt auf. Ich bleibe. Und stelle fest: Gewichte können doppelt so schwer werden, wenn sich das Schiff neigt.

Der Tag geht irgendwie zu Ende und nachdem wir uns angeguckt haben, wie die TĂ€nzer doppelt so viele Schritte wie normal machten, haben wir einfach beschlossen schlafen zu gehen. Gute Nacht.

 

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Tag 7: Malaga im Schnelldurchlauf

Zwei Stunden in Malaga

Der Sturm hat uns zurĂŒck geworfen. Statt der geplanten sechs Stunden, bleiben uns nun nur zwei um Malaga zu entdecken. NatĂŒrlich wollen heute alle von Bord! Auch wenn es aufgehört hat zu schwanken, merkt man der Masse an, dass der Seegang sie mitgenommen hat.

Eine halbe Stunde bevor es von Bord geht, schlĂ€ngelt sich das Bordpublikum auf Deck fĂŒnf durch alle GĂ€nge. Nahezu alle Passagiere stehen in einer unordentlichen Schlange und warten nur auf das Öffnen der TĂŒren. Warten ist aber doof. Das findet zumindest unser kompetenter Reiseleiter und drĂŒckt sich an der Schlange vorbei Richtung TĂŒr. Vorbildfunktion und so.

Dann geht’s los. Die TĂŒren öffnen sich und die Masse drĂŒckt sich nach draußen. Es sind Bilder wie bei der Maueröffnung. Alle strömen zum Shuttlebus, schupsen sich und drĂ€ngeln. Aggressive Senioren stellen sich Beine mit Gehstöcken und junge Menschen schuppsen zurĂŒck. Sardinenartig zusammengepfercht gehen die TĂŒren zu und der Bus fĂ€hrt los. Nach 30 Sekunden hĂ€lt er wieder an. Wie bitte? Umsteigen! Wir können es nicht glauben



finden dann aber doch den anderen Bus, der uns direkt ins Stadtzentrum bringt.

Als wir angekommen sind, mache ich mich daran der Masse davon zulaufen. Und kann tatsĂ€chlich nach zehn Minuten (und einem kleinen Zebrastreifen-Fast-Überfahren-Werden-MissverstĂ€ndnis) aufatmen. Ich bin da.

Alcazaba und rosa Kaninchen

Und ich finde mich vor dem Eingang der Ruinen von Alcazaba wieder. Hier steht ein Automat, der 2,20€ Eintritt von mir möchte. Ich fĂŒttere ihn und schlendere ins Innere. Mal wieder scheine ich die falschen Schuhe anzuhaben. Ich ziehe sie aus, stecke sie in meine Tasche und hĂŒpfe fröhlich in den Ruinen und AusstellungsrĂ€umen herum. Es ist wunderbar ruhig und der Ausblick ist toll: Man sieht die ganze Stadt und unser Schiff. LimettenbĂ€ume stehen zwischen mosaikbestĂŒckten Trinkbecken. Idyllisch trinken Vögelchen Wasser. Und weit und breit kein Tourist. Gerne wĂŒrde ich lĂ€nger bleiben, aber nach 1 Âœ Stunden mache ich mich auf den Weg, ich möchte noch kurz die Stadt sehen

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Weit komme ich nicht. Direkt unterhalb der Anlage treffe ich auf fĂŒnf rosa PlĂŒschhasen, die ein Musikvideo drehen. Dann laufe ich kreuz und quer durch die Stadt, schieße Alibibilder und renne fast schon Richtung Busbahnhof. Als ich mich dann im Bus wieder finde und aus ich wieder ein wir wird, nehme ich mir vor: Ich komme zurĂŒck. Malaga ist eine wunderschöne Stadt!

ZurĂŒck an Bord genießen wir den Sonnenuntergang und die Ausfahrt Richtung Gibraltar. Es ist ruhig und romantisch.

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Tag 7: Seetag Klappe die Dritte

Wir stehen auf. Wir machen Sport. Wir essen. Wir schlenderndurchs Schiff. Wir kramen den Schiffsbewertungdbogen raus. Zerbrechen uns den Kopf. Wir essen. Wir trinken Cola Light. Wir gehen unsere Notizen durch. Wir schreiben. Dann kommt der obligatorische Cocktail. Wir gehen zur Feedbackrunde. Von 45 Expedienten sind 7 da. Wir geben Feedback. Und werden nach zehn Minuten in die Sonne entlassen. Wir testeten den Whirlpool und sind schnell wieder draußen: Zu viel haariger Beinkontakt zu fremden Menschen. Die Sonne verschwindet. Wir gehen noch mal zum Sport. Dann ein letztes Mal Kuscheln mit dem Duschvorhang. Man hat ihn fast lieb gewonnen.

Auch lieb gewonnen haben wir unseren Kellner. Beim letzten Abendessen machen wir lustige Gruppenfotos und freuen uns ĂŒber den 1000 kcal Nachtisch, der in einem Partyzug hereingetanzt wird. Vor der PolonĂ€se durchs Restaurant drĂŒcken wir uns dann aber doch. Wir sind aber fast die einzigen. Begeistert springen dutzende Erwachsene Menschen in Abendgarderobe durch den piekfeinen Raum und feiern einen gelungenen Urlaub. Wir feiern zu sechst. Am Tisch. Und genießen anschließend die schmerzhaften GesĂ€nge angehender Superstars in der Armonia Lounge.

Gegen zwölf stellen wir unsere Koffer vor die Kabine und fallen in einen wunderbaren Schlaf.

 

Tag 7: Seetag Klappe die Dritte

Der letzte Morgen beginnt mit einem gelben Zettel, der an unserer TĂŒr hĂ€ngt. Die Bordrechnung ist da. Fröhlich reihen sich Cocktail an Cocktail und Cola Light an Cola Light. Dazwischen in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden die Service Charge. Und dann, ganz am Ende hĂŒpft eine kleine 22 € Zahl hinter dem Betreff Duty Free. Ich war nie im Duty Free Shop. Ok. Ich war drinnen. Ich habe mich ĂŒber das glupschĂ€ugige Schwein gefreut und ĂŒberlegt es zu kaufen. Aber das Wichtige daran: Ich hab es nicht gekauft. Es ist mir auch nicht zugelaufen. Es liegt immer noch in der Kiste mit den anderen Kuscheltieren, die klugerweise auf Kinderhöhe positioniert sind.

Ich trotte also zur Rezeption um nachzuhaken, wie das passieren konnte. Eine kleine gemeine Rezeptionistin guckt mich mitleidig an und zweifelt offenkundig an meinem Verstand. Ich habe einen Swarovski Kugelschreiber gekauft. Silber und Glitzernd. Äh. Genau. So was wollte ich schon immer haben. In 60 Minuten soll ich zurĂŒckkommen. Man wird sehen. Ich komme zurĂŒck. Nichts ist geklĂ€rt. Ich muss noch mal dreißig Minuten warten.

Als ich dann zurĂŒckkomme, drĂŒckt mir ein junger Mann eine neue Rechnung in die Hand. Die 22 ist verschwunden. Meine Geduld auch. Auf die Frage, wie das passieren konnte, bekomme ich ein schnippisches Das kann passieren. Das ist normal. Aha. So was ist also normal. Eine Entschuldigung wĂ€re nett gewesen. Bekomme ich nicht. Auch nicht als ich nett nachfrage. Naja. Ich drĂŒcke zwei Augen zu und der Ärger verkrĂŒmelt sich.

Ab jetzt geht alles ganz schnell. Wir werden in Gruppen von Bord gebeten. Und in Busse verfrachtet. Schnell sind wir am Airport angekommen und genießen dort die spanische Gelassenheit. GemĂŒtlich und ohne Eile checkt uns eine trödelnde Angestellte ein. Nach vierzig Minuten Schlange stehen, halten wir unsere Bordkarte in den HĂ€nden und marschieren Richtung Gate.

Als wir das Flugzeug betreten, ist es ein bisschen wir auf Klassenfahrt. Alle kennen sich, es werden PlÀtze getauscht, Geschichten erzÀhlt und Sitze auseinander genommen. Letzteres unabsichtlich. Der Abstand zwischen den Reihen ist schmaler, als bei Ryanair, das HandgepÀck passt nur mit Gewalt unter den Sitz. Dabei löst sich das billige Kunstleder und ein gerostetes GestÀnge tritt zum Vorschein. Hm. Hatte ich erwÀhnt, dass ich Flugangst habe?

Als der Flug startet, klappert es. Beim Versuch eine Zeitschrift aus der Sitztasche zu nehmen, reißt sie ein. Die Zeitschrift klebt. Igitt.

Aber lange Zeit zum Ärgern bleibt nicht. Bald kommt eine Stewardess und verteilt das Bord MenĂŒ: Ein eingeschweißtes Laugenbrötchen mit KĂ€se. AnalogkĂ€se? Und einem Becher Wasser 0,15ml. Alles wunderbar verpackt in einem orangefarbenem Turnbeutel und mit einem zuckersĂŒĂŸen LĂ€cheln der Stewardess. Als anschließend der Rollwagen mit 2€ Cola Dosen vorbei fĂ€hrt, schlagen alle zu. Ich auch.

GenĂŒsslich öffne ich meine Cola Light, blicke aus dem Fenster, sehe den Atlantik und lasse das Abenteuer Kreuzfahrt fĂŒrs Erste hinter mir.

MSC-Armonia-(85)

Fazit: Ich bin teuflisch erholt, habe trotz Cocktails & Törtchen ein Kilo abgenommen (Fitnessstudio rulez!), habe vier aufregende StĂ€dte gesehen (und Appetit auf mehr bekommen), tolle Menschen getroffen und Vorurteile abgebaut. Klar, vieles stimmt einfach und im Herzen bleibe ich Backpacker & Camper…aber sollte ich mal wieder Erholung pur suchen, dann werde ich definitiv eine Kreuzfahrt in Betracht ziehen…allerdings auf einem etwas modernerem & jĂŒngerem Schiff

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