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Ein Backpacker auf hoher See: MSC Armonia – Litschiorakel
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Ein Backpacker auf hoher See Europa

Ein Backpacker auf hoher See: MSC Armonia

Januar 4, 2016

Rückblick 2013: Kreuzfahrten? Alleine wenn ich daran dachte, lief mir ein Schauer über den Nacken. Viel zu viele Leute, zu wenig Platz, zu viel Essen, viel zu teuer und unfassbar wenig Selbstbestimmung. Ich mochte meinen Backback und lockere Kleidung und gehörte schon damals so gar nicht zu den Menschen, die man sich an Bord eines Megaliners vorstellt.

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Tja. Wie das Schicksal spielt fing ich im September 2013 einen neuen Job in einem Reisebüro an. Einem Spezialisten für Kreuzfahrten. Und ich mitten drin. Zuständig für das Online-Marketing. Von Marketing verstand ich etwas, von Reisen auch – aber von Kreuzfahrten? Nope. Deswegen durfte ich auch direkt nach sechs Wochen an Bord eines Schiffes gehen um mir das Ganze einmal anzuschauen. Gemeinsam mit meiner Kollegin Kristin reiste ich nach Venedig um dort an Bord der MSC Armonia zu gehen und über das Mittelmeer nach Teneriffa zu reisen.

Mitgebracht habe ich einen augenzwinkernden Bericht über die Tücken der ersten Kreuzfahrt und beschämenderweise die beste Erholung, die ich ja auf Reisen erleben durfte…

 

Tag1 : Eingeschifft und Abgefahren

Nachdem wir unseren Flieger in Düsseldorf fast verpasst haben (verquatscht ^^) landen wir am Vormittag in Venedig und haben einen ganzen Tag Zeit diese wunderschöne Stadt zu entdecken. Erst am Nachmittag beginnt unser Abenteuer Kreuzfahrt…

Der Empfang am Hafen von Venedig ist mehr oder weniger merkwürdig. Fünf gelangweilte Mitarbeiter checken muffelig unsere Reiseunterlagen und winken uns unmotiviert zur Gepäckabgabe durch. Das wir gar keine Gepäckanhänger haben, fällt Ihnen aber nicht auf. Daher dackeln wir wenige Minuten später zurück und fragen danach. Mit einem genervten Blick bedacht drückt uns eine junge Frau ein paar Gepäckanhänger in die Hand und widmet sich dann wieder dem in die Luft gucken. Dann geben wir unser Gepäck in die Hände eines Mittfünfzigers, der dieses mit Schwung und ohne Worte in die Lagerhalle wirft. Ok. Dankeschön. Wir gehen dann mal einchecken.

Für Kreuzfahrtneulinge wie uns ist der Weg zum Check In verwirrend. Lauter Schilder, glotzende aber schweigende Mitarbeiter und vor allem: Keine angenehme Atmosphäre. Nachdem wir endlich den richtigen Check In Schalter gefunden haben, werden wir von einer italienischen Dame gemustert. „Sarah. Photo.“ Oh. Das wars schon. Mit einer ruckartigen Handbewegung hatte ich eine Webcam im Gesicht. Hm. Freundlich ist anders. Nachdem auch meine Kollegin mit einem Foto verewigt wurde, schob uns die Mitarbeiterin zwei Karten über den Tresen. Ohne Erklärung. Mit versteinertem Gesicht und nach unten gezogenen Mundwinkeln gab sie uns nur noch eins mit auf den Weg: „Have a nice Cruise.“ Äh. Ok. Versuchen wir zu haben.

Erste Schritte an Bord oder „Wo ist der Safe?“

Jetzt geht’s los. Wir latschen fröhlich über den langen Gang aufs Schiff. Hier ist der Empfang schon freundlicher. Nette Asiaten begrüßen uns und erklären uns den Weg in unsere Kabine. Nett, finden wir, aber das hätten wir doch auch so geschafft. Von wegen! Es zeigte sich ziemlich schnell, dass wir eben nichts einfach so finden sollten…

Vor unserer Kabine lauert schon unser Kabinenservice und grinst uns schlitzäugig an. Er sei für unsere Kabine da und würde immer bereit sein. Was wir erst für eine nette Formulierung hielten, stellte sich schnell als Tatsache heraus. Unsere Kabine ist recht klein aber sauber und schön. Der Blick auf den Hafen von Venedig ist toll und das Bad größer als gedacht. Erst später stellt sich heraus, dass es mit einem sehr kuschelbedürftigen Duschvorhang ausgestattet ist, der sich immer – aber auch wirklich immer – an die Beine des Duschenden klammert.

Nachdem wir ausgepackt und frischgemacht das Tagesprogramm studieren, fällt uns auf, dass wir die Infoveranstaltung um 15 Uhr bereits verpasst haben. Hmm. Schade. Vielleicht hätte man uns dort verraten, wo sich unser Safe versteckt, den wir so verzweifelt suchen. Aber gut. Nachdem wir bereits mit dem Kopf unter dem Bett und der Hand unter der Badezimmerspüle gesteckt haben und sogar die Minibar nach einem Safe abgesucht haben, geben wir auf. Es ist ja auch schon spät.

Der kompetente Reiseleiter

Erster Programmpunkt des Tages: Begrüßung der Expedienten und Vorstellung unserer – nennen wir es – Reiseleitung. Los geht’s um 19 Uhr. Durchgeschwitzt und verwirrt kommen wir um 19:05 Uhr in der Borddisko an, nachdem wir unfreiwilliger Weise einen Schiffsrundgang eingelegt haben. Schnell stellen wir fest: Wir sind nicht die Letzten. Punkt 19:15 Uhr erhebt dann ein schlaksiger junger Mann das Wort. „Willkommen auf der Armonia, geht’s euch gut? Ach ich Duze euch jetzt einfach. Das ist praktischer.“ Ein Raunen geht durch die Reihen.

Nach nur zehn Minuten ist die Begrüßung vorbei. Was wir aber erfahren: Der Safe versteckt sich im Spiegel. Aha. Da können wir lange suchen. Das tollste an der ganzen Veranstaltung ist, dass wir Heiko und Peter kennen lernen, die uns ab jetzt täglich mit ihrer angenehmen Gesellschaft beglücken.

Das Problem mit den Gängen

Pünktlich um 20:30 Uhr sitzen wir an einem runden Tisch im La Pergola Restaurant und werden von unserem idonesischen Kellner freundlich mit Brot und Speisekarte bedacht. An unserem Tisch finden sich zwei Pärchen ein und wir plaudern fröhlich drauf los.

Die Speisekarte überfordert uns. Eine große Auswahl an Speisen und die Frage: Wie viele bestellen wir uns? beschäftigt uns eine gewisse Zeit. Wir entscheiden uns für Vorspeise-Hauptspeise-Nachspeise. Und werden von Miniportionen überrascht. Unser Kellner sieht uns den Hunger nach dem Hauptgang förmlich an und bringt uns leicht belustigt aber ohne Nachfrage einfach noch mal die Karte und fragt, ob wir noch eine Portion möchten. Die Männer am Tisch schlagen zu und bestellen sich ab dem nächsten Tag einfach gleich mehrere Hauptgänge.

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Tag 2: Ancona

Wo geht’s denn hier von Bord?

Der erste Morgen ist in aller erster Linie eins: Spannend. Neugierig hängen wir nach dem Aufwachen an unserem Kabinenfenster und glotzen bedächtig aufs Meer. Sieht schön aus. Vor uns liegt die Kulisse von Ancona und tatsächlich sind wir neben ein paar Fähren das einzige Schiff, was hier anlegt. Schnell machen wir uns fertig um noch kurz einen Blick aufs Buffet zu werfen, bevor wir das Schiff verlassen. (Insgeheim finde ich Kreuzfahren das erste Mal gar nicht sooo schlecht….morgens an einem völlig neuen Ort aufwachen ist schon cool *schäm*)

Als wir unserer Kabinentür öffnen steht dort schon unser indonesischer Zimmermann und grinst uns breit an „Goood Moooorning“. Kurz fragen wir uns, ob er dort wohl schon die ganze Nacht darauf wartet, dass wir heraus kommen…dieses Gefühl wird uns auch in den nächsten Tagen nicht verlassen.

Jetzt haben wir Hunger. Und Lust auf Kaffee. Aber der Weg zum Buffet ist harte Arbeit und führt uns quer durchs Schiff. Nach weiteren Fünfzehnminuten stehen wir im La Brasserie Restaurant: Gekochte Eier, Spiegeleier, gerührte Eier, Bohnen, Speck, Bratwürstchen, frittierter Fisch, Pancakes, Waffeln mit Sirup, Marmorkuchen, Ananaskuchen, Käsetorte, Schokoladen Muffin, Schokocroissant, Bratäpfeln und weiteren Leckereien – oder besser: Freunde und Helfer des Myokardinfarkts. Aber gut. Der Bordarzt sitzt schließlich nicht umsonst zwei Decks tiefer. Wie praktisch. Vom Buffet ins Krankenzimmer zu kugeln klingt zwar wenig verlockend, aber irgendwie furchtbar praktisch.

Fröhlich haben wir die Obstdecke entdeckt und greifen zu. Mit einem Tablett balancieren wir unser Frühstück auf Deck und suchen uns einen Platz mit großartigem Blick auf die Altstadt von Ancona. Das Wetter ist toll. 23 Grad laden zum T-Shirt tragen ein. Und um uns herum beginnt das große Fressen. Dickbäuchige Senioren haben Türme aus fettreichen Speisen gebaut und schieben sich einen Kohlenhydratlappen nach dem anderen in ihren Mund. Junge Leute um sie herum bestellen sich die ersten Cocktails des Tages. Natürlich mit Schirmchen und Ananasstückchen. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie sehen entspannt und glücklich aus. Wir übrigens auch. 🙂

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Die morgendlichen Wölkchen verziehen sich und wir uns auch. Jetzt geht’s von Bord. Wenn wir denn den Ausgang finden. Wir irren mal wieder übers Schiff und landen schließlich tatsächlich am Ausgang. Wir tippeln über die Treppe von Bord und freuen uns über die Gratisstadtpläne am Hafen. Aufklappen. Draufgucken. Grün suchen. Und dann laufen wir los.

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Im Gegensatz zu den anderen Bordgästen halten wir uns links und schlendern am Hafen entlang. Wir wollen zu dem schönen Gebäude auf dem Berg. Ja. Wir wissen wirklich nicht wie es heißt. Und offensichtlich auch nicht wo es langgeht, denn wir landen in einer Sackgasse. Hmm. Ok. Dann nochmal zurück. Da bemerken wir sie. Ganz vorsichtig mit Sicherheitsabstand verfolgt uns ein älteres Ehepaar. Nicht ganz dezent zeigen sie mit dem Finger auf uns und scheinen sichtlich verwirrt zu sein. Zusammenfassung der nächsten halben Stunde:

Weg gefunden. Alte Häuser bestaunt. Hangneigung beklagt. Fotos gemacht. Senioren beobachtet. Fotos von Senioren gemacht. Schiff von oben gesehen. Oh. Ah. Fotos vom Schiff gemacht. Wieder über die Handneigung geärgert und über das unpassende Schuhwerk. (Was sechzig Minuten später in meiner Hand baumelt)

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Oben angekommen wissen wir nun endlich wie unser Ziel heißt: Duomo di Ancona. Der Dom von Ancona. Ok.Das hätten wir uns auch denken können. Es ist schön hier. Im Inneren gibt es viel zu entdecken. Und von außen ist er wirklich ein imposantes Gebäude. Nachdem wir wieder heraus kommen, hat auch die Verfolgungsjagd ein Ende, denn das Pärchen bleibt in der Kirche zurück und freut sich über die unbequemen Holzbänke im Inneren.

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Jetzt zieht es uns ins Grün. Wir laufen in Richtung des grünen Flecks auf unserer Karte (Parco del Cardeto) und finden uns in einer Oase wieder. Hier ist wirklich niemand. Dass gerade über 1000 Schiffsgäste durch die Stadt bummeln, davon bekommt man hier nichts mit. Einheimische pflücken Oliven und Schmetterlinge flattern kitschig über ihren Köpfen hin und her. Hinter ihnen entdecken wir den Ausblick aufs Meer und sind begeistert. Kleine Segelbötchen liegen hier auf ruhiger See und vor uns liegt eine steile Klippe. Und ein Zaun, der das perfekte Foto verhindert. Wir drehen uns um. Ich schwinge mich über den Zaun. (Nicht ganz elegant. Eher unbeholfen und äh.. merkwürdig verrenkt) Und dann schließe ich das perfekte Foto. Um später festzustellen: Es ist verwackelt. Naja. Immerhin gibts ein Bild mit meinen Füßen und ein paar Beeren in Kreuzfahrt-Blau 😉

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Natur

Wir bleiben noch einige Zeit im Grünen und finden: Das hier ist ein echter Geheimtipp abseits der typischen Stadtführungen.

Auf dem Weg nach unten ziehe ich endlich meine Schuhe aus unnd barfuß geht’s den Berg hinunter. Zehn Minuten und zahlreiche „Aua es piekst!“ später kommen wir im Touristengewusel an. So haben wir uns das vorgestellt. Zahlreiche Schiffsbesucher drängen sich durch die Gassen und grapschen auf den Markständen nach Schnäppchen, die gar keine sind. Aber auch die Crew entdecken wir. Duzende Asiaten tummeln sich in den kleinen Kaffees und tippen wie verrückt auf ihren Handys herum. Wir ahnen warum: Hier gibt’s gratis Internet. Gar kein schlechter Tipp, schließlich kostet der Spaß an Bord einkleines Vermögen!

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Wir finden noch eine kleine Markthalle und beobachten die Fischverkäufer von oben. Fisch nehmen. Kopf abhaken. Waschen. Verpacken. Lächeln. Und mit großen Gesten das Geld in die Kasse stecken. Irgendwie typisch italienisch. D anderen Touristen bleiben draußen. Vielleicht wegen dem Geruch. Oder dem fehlenden Internet.

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Als der Kamera Akku leer es, entschließen wir uns zurück an Bord zu gehen. Eine Minischlange hat sich gebildet und wir sind zügig wieder an Bord. Was für ein angenehmer Morgen. Jetzt haben wir Hunger. Und sind nicht die Einzigen. Wieder wackeln wir ins Buffetrestaurant und blicken nun auf die Mittagsauswahl. Eine Vielzahl an lauwarmen und leicht gewürzten Speisen lächelt uns an. Wir essen Salat. Der ist lecker.

Um uns herum scheinen die gleichen Leute zu sitzen, wie am Morgen. Wir fragen uns, ob sie wohl schon wieder oder immer noch dort sind. Und entscheiden uns dafür, dass es uns total egal ist.

Dann entdecken wir die Nachspeisentheke und können uns nicht entscheiden. Liebevoll dekorierte Törtchen, bunte Desserts und freundliche Servicemitarbeiter versüßen uns das Mittagsessen. Und ich beschließe zukünftig nur noch die Nachspeise zu essen. Oder zwei. Oder drei.

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Sport an Bord ist Mord.

Dass denken scheinbar die meisten Gäste, denn als wir uns nach dem Mittagessen auf ins Fitnessstudio machen, sind wir fast die einzigen. Motiviert schwingen wir uns aufs Laufband und staunen über den Blick aufs Meer. Die Atmosphäre ist angenehm. Nette Musik läuft im Hintergrund, die Geräte wirken neu und lassen sich leicht bedienen. Frische Handtücher liegen hier für die Gäste bereit und warten liebevoll zusammengerollt im Regal. Direkt daneben gibt es einen Wasserhahn. Hier füllen sich die Sportfreunde ihre Flaschen auf. Nirgends schwitzt ein Muskelprotz die Geräte voll, nirgends stöhnt jemand unter Hantelmassen. Auch nicht in den nächsten Tagen. Darum wird das Fitnessstudio zu einem unserer Lieblingsorte. Und nein. Das liegt nicht an den Sahnedesserts. Ok. Vielleicht ein bisschen.

Um sechzehn Uhr steht unser erster Termin an: Die Schiffsbesichtigung. Wir sind gespannt. Was man auf so einem Schiff wohl entdecken kann? Vor allem an den Bereichen abseits des Bordgetummels sind wir interessiert. Ausgestattet mit Fotoapparat und Notizblock warten wir. 16:10 Uhr warten wir noch immer. Dann steigt uns so langsam ein rauchiger Geruch in die Nase. Wir gucken uns um und diskutieren, woher der wohl kommen mag. Ob es brennt? Um uns herum haben sich so langsam einige Expedienten und ihre Begleitungen eingefunden. Sichtlich gestresst von diesem engen Terminkalender. Dann erscheint unser kompetenter Reiseleiter und flüstert unmotiviert in die Runde. Wir verstehen nicht viel, nur dass es jetzt wohl losgeht. Ein älterer Herr mit italienischem Akzent und gutem Deutsch geht voran. Wer er ist? Keine Ahnung.

In den nächsten dreißig Minuten werden wir durch die öffentlichen Bereiche des Schiffs geschleust. Ein bisschen wie im Zoo glotzen wir in den Fitnessraum und durch die Bullaugenfenster in den Kinderclub. Ein Haufen kleiner – und auch etwas größerer – Racker turnen durch bunte Spielgeräte oder sitzen malenderweise an kleinen Tischen. Da möchte man mitmachen. Das Plakat am Eingang zeigt. Hier kann man sein Kind fast den ganzen Tag abgeben. Von morgens bis abends. Wie praktisch.

Es geht weiter durch diverse Bars und Restaurants. Dann riechen wir es wieder: Qualm und Rauch. Was neu ist: Jetzt sehen wir es auch! Mit schnellem Schritt trotten wir in den schiffseigenen Raucherclub. Praktisch: Es gibt keine Türen. So kann man ihn kaum verfehlen und wird schon an der Rezeption vom himmlischen Nikotingeruch auf die richtige Fährte geführt. Verwirrt von diesem Geruchserlebnis bekommen wir gar nicht mit, dass die Führung vorbei ist. Reiseleiter weg. Führer weg. Wir sind enttäuscht. Und trotten in unserer Kabine, wo wir ein frisch gemachtes Bett vorfinden. Neue Handtücher und die Handschrift eines aufmerksamen Kabinenstewards.

Gegen 19 Uhr gehen wir ins Theater. Gemütlich bestellen wir uns einen Cocktail, der uns zwanzig Minuten später in vollkommener Dunkelheit serviert wird. Mit Schirmchen natürlich. Die Show beginnt. Fünf halbnackte, hübsch anzusehende Mädchen tänzeln auf die Bühne und hüpfen taktvoll im Kreis. Hübsch sieht es aus. Die Männer freuen sich. Es folgen eine Sängerin mit Überbiss, ein stripperähnliches Männerpärchen, das Gegenstände durch die Luft wirbelt und eine kleine Asiatin, die sich selbst in eine Handtasche verpacken kann. (Was sie leider nicht getan hat. Das hätten wir witzig gefunden) Zwischendurch tanzen wieder die 40 Kilo Mädchen, springen um eine riesen Torte herum und grinsen, als wären ihre Mundwinkel fest getackert. Nach 45 Minuten ist die Show vorbei und wir müssen sagen: Das hat uns gut gefallen. Hätte es aber auch, wenn etwas mehr Stoff im Spiel gewesen wäre.

Tag 3: An Bord

Unseren ersten Seetag verbringen wir mit von Bar-zu-Bar schlendern, Cola-Light trinken und Sonne tanken. Und einem Bummel durch die Duty-Free-Shops. Es reiht sich Luxuslabel neben Luxuslabel, Uhren neben Schmuck, Parfum neben Maxipackungen Toblerone. In fünf Sprachen verkündet uns der Schiffslautsprecher das Motto des Tages: GALA. Praktischerweise könne man in den Shops zuschlagen und sich so richtig herausputzen. Und vielleicht noch schnell beim Frisör vorbei schauen? Spannend ist, dass die meisten Passagiere genau das tun: Flanieren und sich für den Abend zurechtmachen.

Gegen 18 Uhr gucken wir noch einmal im Fitnessstudio vorbei. Eine halbe Stunde später treffen wir –mit gammeliger Jogginghose und durchschwitztem Tanktop- im Treppenhaus auf eine beachtliche Anzahl an galatauglichen Passagieren. Hier wurde wirklich alles aufgefahren. Oder hochgedrückt. Je nach dem.

Wir huschen schnell in die Kabine zurück: Wir wollen nämlich mitspielen. 20 Minuten später stecken auch wir in netten Cocktailkleidern und schlendern mit eben diesen ins Theater. Gemeinsam mit einem Expedienten Pärchen, die wir beim Abendessen kennenglernt haben staunen wir über die schicken Senioren, die sich um uns herum niederlassen. Irgendwie ist das schön. Sie haben sichtlich Spaß daran sich so zu präsentieren. In ihren Augen funkelt kindliche Fröhlichkeit und eine Unbeschwertheit wie an Karneval. Aber wie auch dort, wollen wohl nicht alle mitspielen. Einige jüngere Leute in Jeanshosen quetschen sich in die Reihen, gefolgt von einem Mann in kariertem Hemd. Die Karnevalisten um sie herum mustern sie kritisch und schütteln ihre frisierten Köpfe. Dann beginnt die Show.

Wieder hüpft nacktes Fleisch. Es singt ein Pferdegebiss. Jemand verbiegt sich. Und – oh was Neues – jemand wird durchgeschnitten. Und natürlich auch unter Trommelwirbel wieder zusammengebastelt. Puh. Alles gut gegangen. Der Vorhang fällt und lautstark werden wir zum folgenden BINGO eingeladen.

Es fällt uns nicht schwer, diesem zu wiederstehen. Lieber nuckeln wir an einem weiteren Cocktail und schlendern dann ins Restaurant. Auf dem Weg werden wir angehalten. Man möchte ein Foto machen. Ok. Dann mal los. Wir lächeln. Posieren. Und haben irgendwie schon wieder Spaß.

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Die folgenden zwei Stunden sind die wohl prägendsten der gesamten Reise. Nach dem Essen – lecker, heiß und freundlich serviert – haben wir uns dazu entschlossen die Armonia Lounge zu besuchen. Hier findet jeden Abend eine animative Aktion statt. Wir wollen dabei sein und lümmeln uns in die bequemen Lounge Sofas. Eine kleine braunhaarige Sängerin trällert „Yellow River“ der britischen Band Christie. Das tut sie – wie wir noch feststellen werden – jeden Abend. Dann bricht sie ab, legt das Mirko zur Seite und weicht einem Medley an Bord Clubtänzen. Nossa. Nossa. Und so. Ein Haufen an glitzernden Abendkleidern wackelt fröhlich zu den munteren Poprythmen und wird dabei von der schiffseignen Animationscrew angefeuert. Eins lernen wir hier: Geklatscht wird immer! Im Rhythmus. Gegen den Rhythmus. Immer.

Nach fünf Liedern verlässt der Glitzerhaufen die Tanzfläche und ein gegelter Italiener mit Anzug und außerordentlichem Sprechtempo nimmt seinen Platz ein. Jetzt geht’s los.

Gesucht wird das Pärchen des Abends. Fünf ältere Pärchen finden sich mehr oder wenig freiwillig auf der Bühne ein und treten in kleineren Wettkämpfen gegeneinander an. Das Ganze ist lustig anzuschauen. Es wird getanzt. Geraten. Und gebellt. Moment. Es wird gebellt?

Erstaunt blicken wir auf das, was da gerade vor unseren Augen passiert. Ein Mann Mitte sechzig steht bellend mitten im Raum. Seine Frau kniet vor ihm und bellt zurück. Fast jaulend. Dann wirft er sich auf sie, reißt sie nieder und beide vereinen sich in einem Wuff-Kanon. Es folgt ein Miauendes Pärchen. Ein grunzendes Pärchen. Und zum Schluss: Das Affenpaar. Am Ende des Abends gewinnt das Hundepärchen und wir gehen sprachlos ins Bett.

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Tag 4: Tunis

Ein neuer Morgen. Ein neuer Kontinent. Wir sind in Afrika gelandet. Genauer gesagt in La Goulette. Nach einem entspannten Vormittag finden wir uns mit hunderten anderen Passagieren im Theater ein, denn wir wollen heute etwas ausprobieren: Einen organisierten Ausflug. Gemeinsam mit einer Masse anderer Gästen stehen wir in einer undurchsichtigen Menschenwurst vor dem Ausflugs Check-In.

Wenig später haben wir uns an einen der drei Tische vorgekämpft und werden hier nur kurz nach unserem Ausweis gefragt. Dann drückt man uns ein gelbes Ticket und einen plakativen Aufkleber mit der Nummer 5 in die Hand. (Nein, wir kleben ihn nicht auf die Brust…aber ja, alle anderen tun das! 😉 ) Um uns herum tummeln sich Einsen, Zweien, Dreien, Vieren….es geht bis elf. Wir suchen uns schnell einen Platz und sind gespannt, was uns erwartete. Vor der Bühne huschen emsig MSC Mitarbeiter hin und her, in ihren Händen Schilder mit unseren Nummern. Dann passiert erstmal gar nichts.

Erst zwanzig Minuten später hopsen die Reiseleiter an uns vorbei und die Zahlen werden in fünf Sprachen ausgerufen. In dem ganzen Sprachsalat verpassen wir fast unsere Nummer und drücken uns in letzter Sekunde durch die Massen ins Freie. Beziehungsweise erst einmal auf Deck vier. Dann durch die immer piependen Sicherheitstore und dann in die tunesische Sonne.

Vor dem Schiff werden wir freudig von zwei gelangweilten Kamelen und einer afrikanischen Band begrüßt. Fleißig werden Fotos gemacht. Dann erklingt ein uns bekanntes Lied aus den uns unbekannten Instrumenten der Musiker. Just in dem Moment, in welchem wir an der Gruppe vorbei schlendern, stimmen sie die deutsche Nationalhymne an. Begleitet von heimatlichen Klängen suchen wir nun unseren Bus und werden schnell fündig. Los geht’s.

Wir haben nun das Vergnügen mit einem quicklebendigen Afrikaner mit lückenhaften Deutschkenntnissen und einem sehr lauten Organ. Durch das Mikro brüllt er uns die heutige Route vor, gespickt von Witzen, welche die Frau neben mir zum Grunzen bringt.

Der Bus wackelt über die Straßen, wir fahren nach Karthago. Oder eher gesagt einem winzigen Teil von Karthago, der uns heute als das Ganze präsentiert wird. Angekommen führt uns der Guide durch die Ruinen, ich schleiche auf anderen Wegen hinterher und muss sagen: Hier gefällt es mir. Karthago ist schön. Oder war schön. Jetzt sind die Ruinen schön.

Nach ca. 40 Minuten dackeln alle zurück in den Bus, einige Fotos und Mosaikschüsseln reicher. Jetzt geht’s nach Tunis. Wir fahren vorbei an armen Siedlungen, toten Tieren und viel Staub.

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Angekommen in der Medina kommen wir uns fehl am Platz vor. Unter den Einheimischen sehen wir aus wie ein Rudel europäischer Fremdkörper und werden definitiv auch so angestarrt. Na gut…wir starren ja auch. Bald haben wir unser Ziel erreicht: Ein traditionelles Teppichgeschäft. Doch bevor wir zur obligatorischen Teppichvorführung gebeten werden, dürfen wir aufs Dach und haben von dort einen großartigen Ausblick auf ganz Tunis. Die Sonne scheint. Die Terrasse ist von Mosaiksteinchen in bunten Farben überzogen. Und der Blick ist wirklich toll. Hier wären wir ohne Ausflug wohl nie hingekommen.

Jetzt werden wir in einen Raum gebeten. Zwei alte Männer mit ledriger Haut falten dutzende Teppiche auseinander und kommentieren jeden mit Arbeitszeit und Preis. Natürlich alles Schnäppchen. 25 000 € Schnäppchen. Am Ende haben die Herren tatsächlich einen Teppich verkauft. Unser Reiseleiter reibt sich die Hände.

Jetzt bleibt Zeit im angeschlossenen Souvenirshop zu bummeln, Terrakottahühner zu bestaunen und zu handeln. Und schwupps ist die Gruppe weg. Leider nicht mit allen Gruppenmitgliedern. Jetzt wird wild gesucht, telefoniert und die letzte halbe Stunde mit leichten Panikattacken verbracht. Am Ende ist alles gut. Alle sind da. Und die vier Stunden fühlen sich an wie eine Ewigkeit. Als wir wieder auf dem Schiff sind und den Hafen von La Goulette hinter uns lassen fühlt es sich an, als hätten wir nur kurz geträumt. Es war kein erholsamer Schlaf, aber gewiss auch kein Albtraum.

Als wir uns vom Festland entfernen, beginnt das Schiff zu schwanken. Erst nur ein bisschen. Wir finden das lustig. Dann etwas mehr. Morgen früh ändert sich das Wetter….verrät uns ein Crew-Mitglied. Es sollte nicht Recht behalten.

 

Tag 5: Es schwankt

Geschüttelt nicht gerührt

Der heutige Tag wird nicht unser bester werden. Als wir aufwachen, schwankt das Schiff noch immer. Wir könnten wetten, sogar noch mehr als am Abend.

Als wir auf den Gang kommen, torkeln uns schon jede Menge bleicher Gesichter entgegen. Wir torkeln mit gesunder Farbe mit. Heute schwankt einfach alles. Es schwankt der Boden, das Essen, die Stühle, die Gläser, die Gedanken.

Wir bringen den Tag irgendwie hinter uns und ich wage mich sogar ins Fitnessstudio. Zu meiner Überraschung ist es sogar geöffnet. Weit und breit kein Trainer. Niemand der darauf achtet, dass hier nichts passiert. Nur ein anderer Sportverrückter, der sich neben mir aufs Laufband traut. Mit aller Kraft klammern wir uns an das Gerät. Und der Spaß beginnt. Die folgenden 40 Minuten sind eine Art Flugsimulator. Es geht rauf und runter. Rauf und runter. Der Mann neben mir gibt auf. Ich bleibe. Und stelle fest: Gewichte können doppelt so schwer werden, wenn sich das Schiff neigt.

Der Tag geht irgendwie zu Ende und nachdem wir uns angeguckt haben, wie die Tänzer doppelt so viele Schritte wie normal machten, haben wir einfach beschlossen schlafen zu gehen. Gute Nacht.

 

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Tag 7: Malaga im Schnelldurchlauf

Zwei Stunden in Malaga

Der Sturm hat uns zurück geworfen. Statt der geplanten sechs Stunden, bleiben uns nun nur zwei um Malaga zu entdecken. Natürlich wollen heute alle von Bord! Auch wenn es aufgehört hat zu schwanken, merkt man der Masse an, dass der Seegang sie mitgenommen hat.

Eine halbe Stunde bevor es von Bord geht, schlängelt sich das Bordpublikum auf Deck fünf durch alle Gänge. Nahezu alle Passagiere stehen in einer unordentlichen Schlange und warten nur auf das Öffnen der Türen. Warten ist aber doof. Das findet zumindest unser kompetenter Reiseleiter und drückt sich an der Schlange vorbei Richtung Tür. Vorbildfunktion und so.

Dann geht’s los. Die Türen öffnen sich und die Masse drückt sich nach draußen. Es sind Bilder wie bei der Maueröffnung. Alle strömen zum Shuttlebus, schupsen sich und drängeln. Aggressive Senioren stellen sich Beine mit Gehstöcken und junge Menschen schuppsen zurück. Sardinenartig zusammengepfercht gehen die Türen zu und der Bus fährt los. Nach 30 Sekunden hält er wieder an. Wie bitte? Umsteigen! Wir können es nicht glauben…

…finden dann aber doch den anderen Bus, der uns direkt ins Stadtzentrum bringt.

Als wir angekommen sind, mache ich mich daran der Masse davon zulaufen. Und kann tatsächlich nach zehn Minuten (und einem kleinen Zebrastreifen-Fast-Überfahren-Werden-Missverständnis) aufatmen. Ich bin da.

Alcazaba und rosa Kaninchen

Und ich finde mich vor dem Eingang der Ruinen von Alcazaba wieder. Hier steht ein Automat, der 2,20€ Eintritt von mir möchte. Ich füttere ihn und schlendere ins Innere. Mal wieder scheine ich die falschen Schuhe anzuhaben. Ich ziehe sie aus, stecke sie in meine Tasche und hüpfe fröhlich in den Ruinen und Ausstellungsräumen herum. Es ist wunderbar ruhig und der Ausblick ist toll: Man sieht die ganze Stadt und unser Schiff. Limettenbäume stehen zwischen mosaikbestückten Trinkbecken. Idyllisch trinken Vögelchen Wasser. Und weit und breit kein Tourist. Gerne würde ich länger bleiben, aber nach 1 ½ Stunden mache ich mich auf den Weg, ich möchte noch kurz die Stadt sehen

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Weit komme ich nicht. Direkt unterhalb der Anlage treffe ich auf fünf rosa Plüschhasen, die ein Musikvideo drehen. Dann laufe ich kreuz und quer durch die Stadt, schieße Alibibilder und renne fast schon Richtung Busbahnhof. Als ich mich dann im Bus wieder finde und aus ich wieder ein wir wird, nehme ich mir vor: Ich komme zurück. Malaga ist eine wunderschöne Stadt!

Zurück an Bord genießen wir den Sonnenuntergang und die Ausfahrt Richtung Gibraltar. Es ist ruhig und romantisch.

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Tag 7: Seetag Klappe die Dritte

Wir stehen auf. Wir machen Sport. Wir essen. Wir schlenderndurchs Schiff. Wir kramen den Schiffsbewertungdbogen raus. Zerbrechen uns den Kopf. Wir essen. Wir trinken Cola Light. Wir gehen unsere Notizen durch. Wir schreiben. Dann kommt der obligatorische Cocktail. Wir gehen zur Feedbackrunde. Von 45 Expedienten sind 7 da. Wir geben Feedback. Und werden nach zehn Minuten in die Sonne entlassen. Wir testeten den Whirlpool und sind schnell wieder draußen: Zu viel haariger Beinkontakt zu fremden Menschen. Die Sonne verschwindet. Wir gehen noch mal zum Sport. Dann ein letztes Mal Kuscheln mit dem Duschvorhang. Man hat ihn fast lieb gewonnen.

Auch lieb gewonnen haben wir unseren Kellner. Beim letzten Abendessen machen wir lustige Gruppenfotos und freuen uns über den 1000 kcal Nachtisch, der in einem Partyzug hereingetanzt wird. Vor der Polonäse durchs Restaurant drücken wir uns dann aber doch. Wir sind aber fast die einzigen. Begeistert springen dutzende Erwachsene Menschen in Abendgarderobe durch den piekfeinen Raum und feiern einen gelungenen Urlaub. Wir feiern zu sechst. Am Tisch. Und genießen anschließend die schmerzhaften Gesänge angehender Superstars in der Armonia Lounge.

Gegen zwölf stellen wir unsere Koffer vor die Kabine und fallen in einen wunderbaren Schlaf.

 

Tag 7: Seetag Klappe die Dritte

Der letzte Morgen beginnt mit einem gelben Zettel, der an unserer Tür hängt. Die Bordrechnung ist da. Fröhlich reihen sich Cocktail an Cocktail und Cola Light an Cola Light. Dazwischen in regelmäßigen Abständen die Service Charge. Und dann, ganz am Ende hüpft eine kleine 22 € Zahl hinter dem Betreff Duty Free. Ich war nie im Duty Free Shop. Ok. Ich war drinnen. Ich habe mich über das glupschäugige Schwein gefreut und überlegt es zu kaufen. Aber das Wichtige daran: Ich hab es nicht gekauft. Es ist mir auch nicht zugelaufen. Es liegt immer noch in der Kiste mit den anderen Kuscheltieren, die klugerweise auf Kinderhöhe positioniert sind.

Ich trotte also zur Rezeption um nachzuhaken, wie das passieren konnte. Eine kleine gemeine Rezeptionistin guckt mich mitleidig an und zweifelt offenkundig an meinem Verstand. Ich habe einen Swarovski Kugelschreiber gekauft. Silber und Glitzernd. Äh. Genau. So was wollte ich schon immer haben. In 60 Minuten soll ich zurückkommen. Man wird sehen. Ich komme zurück. Nichts ist geklärt. Ich muss noch mal dreißig Minuten warten.

Als ich dann zurückkomme, drückt mir ein junger Mann eine neue Rechnung in die Hand. Die 22 ist verschwunden. Meine Geduld auch. Auf die Frage, wie das passieren konnte, bekomme ich ein schnippisches Das kann passieren. Das ist normal. Aha. So was ist also normal. Eine Entschuldigung wäre nett gewesen. Bekomme ich nicht. Auch nicht als ich nett nachfrage. Naja. Ich drücke zwei Augen zu und der Ärger verkrümelt sich.

Ab jetzt geht alles ganz schnell. Wir werden in Gruppen von Bord gebeten. Und in Busse verfrachtet. Schnell sind wir am Airport angekommen und genießen dort die spanische Gelassenheit. Gemütlich und ohne Eile checkt uns eine trödelnde Angestellte ein. Nach vierzig Minuten Schlange stehen, halten wir unsere Bordkarte in den Händen und marschieren Richtung Gate.

Als wir das Flugzeug betreten, ist es ein bisschen wir auf Klassenfahrt. Alle kennen sich, es werden Plätze getauscht, Geschichten erzählt und Sitze auseinander genommen. Letzteres unabsichtlich. Der Abstand zwischen den Reihen ist schmaler, als bei Ryanair, das Handgepäck passt nur mit Gewalt unter den Sitz. Dabei löst sich das billige Kunstleder und ein gerostetes Gestänge tritt zum Vorschein. Hm. Hatte ich erwähnt, dass ich Flugangst habe?

Als der Flug startet, klappert es. Beim Versuch eine Zeitschrift aus der Sitztasche zu nehmen, reißt sie ein. Die Zeitschrift klebt. Igitt.

Aber lange Zeit zum Ärgern bleibt nicht. Bald kommt eine Stewardess und verteilt das Bord Menü: Ein eingeschweißtes Laugenbrötchen mit Käse. Analogkäse? Und einem Becher Wasser 0,15ml. Alles wunderbar verpackt in einem orangefarbenem Turnbeutel und mit einem zuckersüßen Lächeln der Stewardess. Als anschließend der Rollwagen mit 2€ Cola Dosen vorbei fährt, schlagen alle zu. Ich auch.

Genüsslich öffne ich meine Cola Light, blicke aus dem Fenster, sehe den Atlantik und lasse das Abenteuer Kreuzfahrt fürs Erste hinter mir.

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Fazit: Ich bin teuflisch erholt, habe trotz Cocktails & Törtchen ein Kilo abgenommen (Fitnessstudio rulez!), habe vier aufregende Städte gesehen (und Appetit auf mehr bekommen), tolle Menschen getroffen und Vorurteile abgebaut. Klar, vieles stimmt einfach und im Herzen bleibe ich Backpacker & Camper…aber sollte ich mal wieder Erholung pur suchen, dann werde ich definitiv eine Kreuzfahrt in Betracht ziehen…allerdings auf einem etwas modernerem & jüngerem Schiff

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