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Neuseeland Wanderlustig

Wanderlustig: Tongariro Alpine Crossing

Dezember 8, 2016

Vom Planen & Pilgern…

Wenn eine Wanderung von den Bewertungsportalen & Bloggern dieser Welt als die schönste Tour Neuseelands gehypt wird, dann erwartet der erfahrene Reisende genau zwei Dinge: Eine der schönsten Wanderungen Neuseelands und jede Menge Touristen. Und ganz genau das trifft auf das Tongariro Alpine Crossing zu. 😉

TatsĂ€chlich stand das Crossing als einer der ersten Fixpunkte unserer Neuseelandreise fest. Was ich bei der Planung allerdings ĂŒberhaupt nicht bedacht hatte (Und jaaaaa, das ist höchst naiv gewesen^^), dass FrĂŒhling in Neuseeland nicht automatisch bedeutet, dass man jeden Tag lustig den Vulkan hoch spazieren kann. Im Gegenteil: An vielen Tagen ist das Wetter einfach ĂŒberhaupt nicht fĂŒr das Crossing geeignet und jeder Hobby-Wanderer sollte tatsĂ€chlich nicht nur aus Spaß, sondern auch SicherheitsgrĂŒnden Abstand von der Tour nehmen. Vollkommen verrĂŒckter Weise hatten wir mal wieder unverschĂ€mtes GlĂŒck:

Als wir Mittwochabend in den National Park fuhren, goss es wie aus Eimern. Berge? Wo denn?! Alles war in einen dicken Nebelschleier getaucht und die Straße schwamm nur so davon. In meinen Gedanken hatte ich mich bereits von unserem Trekking verabschiedet...

...doch als wir in unserer Unterkunft ankamen ĂŒberraschte uns die Besitzerin allerdings mit der klaren Ansage: "Morgen um 7 Uhr gehts los! Das Wetter wird TOLL!" Öh. Ja. Ist klar. 

Was wir fĂŒr einen schlechten Witz hielten, stellte sich am nĂ€chsten Morgen als Wahrheit heraus: Wolkig. Trocken. Etwas Sonne. Perfektes Wanderwetter! Was wir nicht wussten: Das fanden auch die gefĂŒhlten Millionen anderen Menschen, die seit 6 Tagen irgendwo im National Park Village ausgeharrt hatten um den berĂŒhmten Wanderweg zu bestreiten. So lange hatten die Transfers nĂ€mlich ausgesetzt.

 
 

Als wir um kurz vor 7 Uhr losfuhren, glich die Anreise zum Startpunkt einer Pilgerreise. Von ĂŒberall her kamen Busse, Transporter, Campervans, Mietwagen...ganz schön verrĂŒckt!

Tipp: Die meisten Transferbusse starten rund um 7 Uhr, d.h. wer den Hauptströmen davonlaufen möchte, sollte möglichst frĂŒh starten. 6 Uhr ist doch auch ne nette Uhrzeit. 😉 9 Uhr wĂ€re auch eine echte Alternative, wenn man nicht unter Zeitdruck steht & nichts dagegen hat, wenn bereits ĂŒberall Menschen "hocken". 

Wo gehtÂŽs denn hier zum Vulkan?!

Bevor man ĂŒberhaupt mit dem Crossing startet, sollte man sich Gedanken ĂŒber den Transfer machen. Da es sich nur um eine One-Way Strecke handelt, braucht man entweder ein Shuttle oder Tramper-Gene. 😉 Es gibt zahlreiche Anbieter, die sicherlich ein sehr gutes GeschĂ€ft machen und sich preislich nicht viel von einander unterscheiden. Mein Tipp: Am besten direkt ab/bis Campsite oder Unterkunft shutteln lassen!

Wir hatten das GlĂŒck, dass unsere Unterkunft, die Plateau Lodge im National Park Village, einen eigenen Shuttle angeboten hat. Pro Person wird man hier 35,- NZD fĂŒr den Hin/RĂŒcktransport los (One Way 30 NZD p.P.) Wer keinen hauseigenen Shuttledienst vor der TĂŒr hat, dem seien die folgenden Anbieter empfohlen:

Mountain Shuttle (one-way in alle Richtungen 30,- NZD p.P. -> Studentenrabatt von 5,- NZD p.P.) 

Alpine Shuttles (return ab Turangi ab 45,- NZD p.P.) 

ROAM (return ab Whakapapa Holiday Park 35,- NZD p.P. -> Vorteil: Sehr coole RĂŒckfahrzeiten mit 14:30 / 16 / 17:30 Uhr) 

Kinder zahlen bei allen Anbietern 25,- NZD return.

Der Vorteil am Hin/RĂŒckshuttle ist, dass man sein Auto/Camper nicht an einem der Carparks stehen lassen muss. Die KriminalitĂ€t hier ist wohl nicht zu unterschĂ€tzen...Der Nachteil liegt auf der Hand: Der zuvor erwĂ€hnte 7-Uhr-Rudelstart. 😉

Das Alpine Crossing – GehtÂŽs jetzt los?

Einmal fĂŒr einen Shuttle entschieden (oder eben auch nicht...) steht dann noch die Entscheidung an, von welcher Seite der Weg erwandert wird. Hier gibtÂŽs die ganz klare Empfehlung vom Mangatepopo Carpark (1100 m) zu starten! Die umgekehrte Strecke ist wesentlich anstrengender (+ 400 Höhenmeter) und nicht ganz so attraktiv (- motivierende Frontaussicht). Insgesamt werden vom DOC 6-8 Stunden fĂŒr das Trekking veranschlagt. FĂŒr den Side Trip zum Mt. Ngauruhoe (2.287m) benötigt man ca. 3 zusĂ€tzliche Stunden und den Aufstieg zum Mt. Tongariro Summit (1.967m) sollte man mit plus 2 Stunden planen. Da wir das allerdings nicht gemacht haben, bleiben die Zeitangaben zu den Sidetrips nur abgelesene Infos 😉

Wie schon erwĂ€hnt, hatten wir wahnsinniges GlĂŒck mit dem Wetter und standen dementsprechend um Punkt 7:17 Uhr am Startpunkt - vollkommen voller Vorfreude 🙂 Wie erwartet, war der Weg auf der ersten Etappe (Carpark - Soda Springs) etwas ĂŒberlaufen. Das Feld lockerte sich allerdings im anspruchsvollem zweiten Abschnitt (Soda Springs - South Crater) schnell auf: Ein Drittel aller Wanderer reiht sich hier in die letzte WC Station fĂŒr die nĂ€chsten vier Stunden ein, ein weiteres Drittel spaziert den kleinen Umweg zu den hĂŒbschen Soda Springs & die ganz Motivierten starten direkt in den Aufstieg.

Obwohl in nahezu allen ReisefĂŒhrern & Foren darauf hingewiesen wird, dass man nicht einfach nach Mordor spazieren kann, ĂŒberkam mich spĂ€testens hier das GefĂŒhl dass nicht jeder diesen Rat ernst genommen hatte...

...ganz vorne weg die In-Sandalen-den-Vulkan-Bezwinger. Auch wenn der erste Abschnitt locker in Flip-Flops & ollen Latschen entlang gewandert werden kann, sprechen die zahlreichen Ausrutscher & Fast-Vom-Vulkan-Faller auf dem zweiten Abschnitt (Und allen Folgenden) ganz klar fĂŒr richtige Wanderschuhe! Die Strecke ist gesĂ€umt von losem Geröll und spitzem Vulkangestein - mehr braucht man dazu nicht zu sagen.

TatsĂ€chlich gibt es von diesem Abschnitt des Weges kaum Bilder, da die Suche nach meiner Kondition meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch genommen hat. 😉

Ein absolutes Highlight war allerdings die Durchquerung des ersten Kraters. Das erste Mal hatte ich das GefĂŒhl wirklich in Mordor zu sein und obwohl ich nun wirklich kein großer Herr der Ringe Fan bin, war das ganz schön...hmm...TOLL! 🙂 Kein Wunder, dass Peter Jackson genau diesen magischen Ort als Filmkulisse auserwĂ€hlt hat...die tief hĂ€ngenden Wolken haben natĂŒrlich nicht geschadet um sich das perfekte Endzeit Szenario vorzustellen...

Von roten Kratern & giftgrĂŒnen Seen

Ein letzter Blick auf den matsch-braunen Kratersee im South Crater (1650 m) wich schnell dem Blick auf die Spitze des Berges. Irgendwo dort oben war der Red Crater. TatsĂ€chlich konnte man nicht viel vom Ziel erkennen, lediglich dutzende kraxelnde Touristen und immer wieder stehenbleibende Durch-Selfies-Fast-In-Den-Vulkan-Faller. Etwas außer Atem hĂ€tte ich den ein oder anderen doch gerne mit ihrem Selfie-Stick den Berg nach oben gejagt. 😉 Aber nun ja. Es war auch so anstrengend genug.

Nach ca. 30 Minuten steilem Aufstieg konnten wir das erste Mal einen Blick auf den Red Crater (1886 m) erhaschen. TatsÀchlich wurde mir hier das erste Mal bewusst, dass wir in einer aktiven Vulkangegend unterwegs waren - sehr eindrucksvoll!

Direkt nach dem Aufstieg zum Red Crater erscheinen dann die sehr bekannten Emerald Lakes (1730 m). Ich glaube, wenn man "Tongariro Crossing" googelt, dann erscheinen in 90% der gefunden Bilder genau diese Seen. NatĂŒrlich hatte auch ich die Bilder vorab gesehen und mir so meine Gedanken gemacht...vor allem: Sehen die wohl wirklich so aus? So blau? TĂŒrkis? Und ganz schön surreal? Die Antwort ist unerwartet eindeutig: Noch viel toller! Als wir die Spitze des Tracks erreicht hatten, zogen einige Wolken ĂŒber die Bergspitzen und ließen die Szenerie noch schöner wirken. Den Anblick ließen wir uns auch nicht von den Am-Kratersee-Picknickern verderben. Wenngleich die zahlreichen essenden KleingrĂŒppchen am Seerand uns doch sehr verwunderten - roch es doch STARK nach Schwefel. 😉

Die unendliche Geschichte…

Nach den Emerald Lakes schlĂ€ngelte sich der Weg wieder ein wenig nach oben zum Blue Lake (1750 m), der - oh Wunder - ein riesiger blauer See war. TatsĂ€chlich beeindruckend war aber auch hier der Blick zurĂŒck. ZurĂŒck auf den Central Crater und die sich dahinter auftĂŒrmende Landschaft Mordors. Hier waren wir das erste Mal ganz alleine. Die meisten Wanderer haben an den Seen eine lĂ€ngere Pause eingelegt oder sind mit Ihrem Schuhwerk am Aufstieg gescheitert...;-)

Vorbei am Blue Lake traten wir aus der dunklen Vulkanlandschaft heraus in eine malerische Gras-HĂŒgel-Wunderwelt. Ein schön angelegter Weg schlĂ€ngelte sich bis zur Ketetahi Hut (1456 m), die schon von oben erkennbar war und den ersten Toilettenstop nach 4 Stunden versprach. (Juhuuuu!!!)

TatsĂ€chlich konnte ich den Abstieg nur so halb genießen...denn meine vom Alltag verzogenen BĂŒro-Beinchen zeigten mir schon seeeehr deutlich, was sie von den verbleibenden Kilometern so hielten. Und so zog sich die an sich harmlose Wiesenlandschaft wie Kaugummi...

Munter wurde ich erst wieder nach einem kleinen HĂŒtten-Klo-Apfel-Snack-Beine-Streck-Stopp auf der Ketetahi Hut und der Erkenntnis, dass der angekĂŒndigte "Regenwald" am Ende des Tracks gar kein MĂ€rchen war, sondern tatsĂ€chlich echt. Zwischen ĂŒppiger Vegetation und fast kitschigen BachlĂ€ufen kam das Ende der Wanderung dann fast schon ĂŒberraschend. Drei Holzpfeiler. Und schwupps waren wir draußen. Ketetahi Carpark (800 m). 14:00 Uhr. GlĂŒcklich, aber auch ganz schön kaputt. 😉

Unser Fazit

Der Wanderweg ist wirklich einfach grandios! Wenn auch etwas ĂŒberlaufen, bietet dieser Track an einem Tag einfach unfassbar viel Abwechslung! 19,4 km zwischen Vulkangestein, mĂ€rchenhaften Seen, SteinwĂŒste, Schnee, Graslandschaften, Regenwald, FlĂŒssen & WasserfĂ€llen sind einfach atemberaubend und einzigartig. (So viele Superlative auf einmal...tzzz....aber was soll man machen...war halt geil ^^) 

Wir sind den Weg nicht gerade "gerannt" ;-), haben dabei ein paar Fotostopps, eine Toilettenpause & ein paar Snack-Minuten eingelegt und am Ende insgesamt 6 1/2 Stunden gebraucht.

Und eine heiße Dusche.

Und Bier. 😉

 

Dein Guide fĂŒr das Tongariro Alpin Crossing auf deutsch! Wanderung, Route, Impressionen, Packliste

Zum Überleben 

  • Zwiebellook fĂŒr Temperaturen von „Super-Sommer“ bis hin zu „Arschkalt“
  • WollmĂŒtze fĂŒr die kalten Abschnitte / Sonnenschutz (Cap / Hut) fĂŒr die Warmen
  • Handschuhe (optional, im Winter wahrscheinlich Pflicht)
  • Wander- oder Trekkingschuhe (bei gutem Wetter können Turnschuhe ausreichen
empfehlenswert ist das aber nicht ;-)) Ich persönlich liebe meine Trekking Sneaker von Adidas.
  • Regenjacke (macht in NZ immer Sinn^^)
  • Handy mit vollem Akku, allen wichtigen Nummern & Kompassapp
  • mind. 1 1/2 l zu Trinken & Essen je nach MagengrĂ¶ĂŸe
  • ein erste Hilfe Kit pro Gruppe
  • Sonnencreme (LFS 30 und Höher)
  • Sonnenbrille (es blendet wirklich unfassbar wenn die Sonne rauskommt!)
  • Kompass & Karte (Wenn man zu außergewöhnlichen Zeiten wandert oder bei sehr schlechter Sicht)
  • TC Factsheet (kann man sich hier sogar auf deutsch herunterladen)

 Zum Spaß 

  • Kamera (ausreichend Akku & Speicherplatz nicht vergessen
megaaa Ă€rgerlich wenn beides auf dem Gipfel versagt^^)
  • Wanderstöcke (werÂŽs mag
)
  • Herr der Ringe Location Guide (hier vorbereiten...)

 
  • Reply
    Sandra S.
    Mai 9, 2017 at 4:09 pm

    Danke fĂŒr diesen tollen Bericht! Wir haben unser Neuseelandabenteuer noch vor uns und das Alpine Crossing steht auf jeden Fall auf unserer Liste! Die Bilder sind echt der Wahnsinn! Könntest du uns noch einen Tipp zur Übernachtungsmöglichkeit vor Ort geben?

    • Reply
      litschi
      Mai 9, 2017 at 4:14 pm

      Huhu liebe Sandra,
      wir haben hier geschlafen:

      http://plateaulodge.co.nz

      und waren wirklich sehr zufrieden! Das tolle: Der Shuttle zur Wanderung startet direkt vor der TĂŒr & das Personal ist mehr als freundlich. Wenn ihr Luxus erwartet, seid ihr hier aber definitiv falsch – es ist eine klasse Unterkunft fĂŒr den mittleren Geldbeutel. 🙂

      Ganz viel Spaß wĂŒnsche ich euch!

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