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Kambotscha Unverhofft kommt oft

Unverhofft kommt oft: Sonnenaufgang vor Angkor Wat

Januar 9, 2018

5:58 Uhr: Der Kaffee ist leer. Der Becher nur noch ein Requisit im Vordergrund. Dahinter die Dämmerung. Ich knipse.
Die Fotos sind langweilig. Angkor Wat wirkt trotzig. Vor grauem Himmel sieht er aus, wie ein Steinhaufen.

Anker Wat Sunrise

Wenn man um fünf Uhr morgens das Haus verlässt um einen Sonnenaufgang zu sehen, dann mag man kaum glauben, dass es auch andere Menschen gibt, die dieses Abenteuer auf sich nehmen. Hat man sich doch gerade nur in letzter Sekunde aus dem Bett gequält, angetrieben vom innigen Wunsch ein hochgepriesenes Erlebnis nicht zu verpassen. Wenn man dann - mit Augenringen und ungekämten Haar - im Tuk Tuk sitzt, der Regen einem ins Gesicht peitscht und man von seinem Fahrer (dem man für den ganzen Tag 12$ zahlt ) mitleidig angeguckt wird, dann ist es soweit. Man zweifelt an seinem Verstand.

Und dann passiert das, womit man ebenfalls nicht rechnet. Kaum ist man auf der Straße, versammeln sich um einen herum andere Tuk Tuk Fahrer. Mit anderen Touristen. Auf den Straßen von Siem Riep wimmelt es vor gläubiger Menschen.
Alle pilgern zum selben Ort: Angkor Wat.

Als wir in Angkor ankommen, ist es stock dunkel. Kluge Touristen haben sich mit Taschenlampen ausgestattet. Noch Klügere entdecken den Kaffeestand. Ein Cappuchino, bitte! Schmeckt gut. Schmeckt nach Abenteuer. Und kurz grübele ich, ob ich zu dem Preis wohl den ganzen Stand erworben habe. (Hatte ich nicht. Leider.)

Mit einem To-Go Becher in der Hand schreiten wir in Richtung des ehrwürdigen Tempels, schlüpfen an einem Seiteneingang durch das Einlaßtor und schreiten weiter. Im grauen Nachtschleier erheben sich die Türme des Tempels. Es ist bewölkt. Erste Zweifel machen sich breit. Gibt es heute überhaupt einen Sonnenaufgang?

Dann trennen sich unsere Wege. Sandra, Lisann und Bettina (heiß auf das traditionelle Postkartenmotiv mit See im Vordergrund) entscheiden sich für die linke Seite. Und verschwinden in einer Masse. Es sind hunderte Menschen. Koreaner und Chinesen. Aber auch Europäer. US-Amerikaner. Aber in erster Linie Koreaner und Chinesen. Ines und ich gehen rechts. Hier gammeln ungefähr ein dutzend Touristen vor einem Wasserloch. Der Blick auf die Baustelle vor dem Tempel ist uneingeschränkt und auf eine schräge Weise imposant. Wir lümmeln uns ins noch feuchte Gras und glotzen bedächtig auf das Gebäude.

5:58 Uhr: Der Kaffee ist leer. Der Becher nur noch ein Requisit im Vordergrund. Dahinter die Dämmerung. Ich knipse.
Die Fotos sind langweilig. Angkor Wat wirkt trotzig. Vor grauem Himmel sieht er aus, wie ein Steinhaufen.

6:11 Uhr: Die Spannung steigt. Noch zwei Minuten bis zum vorhergesagten Sonnenaufgang. Die ersten rücksichtsvollen Touristen asiatischer Herkunft beginnen vor dem Tempel auf und ab zu hüpfen. Zu posen. Und genau dort rumzustehen, wo man sie ungern im Bild hat.

6:13 Uhr: Nichts passiert. Der Himmel schimmert wolkengrau.

6:15 Uhr: Es ist immer noch nichts passiert. Die ersten Touristen ziehen enttäuscht ab.

6:21 Uhr: Es wird hell. Die Sonne läßt sich erahnen. Ein kleines Loch macht Hoffnung.


6:34 Uhr: JAAAAA. Die Sonne geht auf. Zumindest ist sie für einen kurzen Moment zu erkennen. Für uns bedeutet das, 100 Meter neben den Türmen hängt ein leuchtendes Etwas in der Luft. Für Hunderte Touristen auf der anderen Seite hingegen, dass sie die Chance haben das perfekte Foto mit der Sonne zwischen den Türmen zu schießen.

6:35 Uhr: Das Akku der Kamera ist leer. Die Sonne versteckt sich wieder. Und wir bleiben vor unserem Wasserloch sitzen. Genießen die Ruhe. Und freuen uns über den perfekten unperfekten- Sonnenaufgang.

 


Tipp 2018:

Mein Trip zum Sonnenaufgang von Angkor war Anfang 2013 - zu einer Zeit, da Instagram noch kein großes Thema war und schon damals haben sich die Leute auf der linken Seite fast ins Wasserbecken geschubst um das beste Foto zu ergattern. Ganz zu schweigen von lautem Gegacker, Geknipst und Handygeleuchte. Ganz ehrlich? Mit "Geheimtipp" oder "Magischem Moment" hat das Ganze nix zu tun.

Die Alternative: Schaut euch den Sonnenaufgang lieber über dem Srah Srang Wasserreservoir an - dort seid ihr auch heute meist noch alleine.

 

 

 

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